Wo aus Pilzen Lederhosen entstehen

von Redaktion

Sonderausstellung im Museum Mensch und Natur als Auftakt der Reihe „Zukunftslabore“

Noch Zukunftsmusik: So könnte der Innenhof des neuen Museums mal aussehen, das 2030 entstehen könnte.

Korallen spiegeln perfekt das Ausstellungsmotto „Natur gestaltet – Bauwerke und Ökosysteme“ wieder.

Sticht ins Auge: Der Stuhl besteht aus einem Wespennest.

Lederhosen aus Pilzfasern: Das ist nur eines von zahlreichen interessanten Ausstellungsstücken, die Kuratorin Coleen M. Schmitz zusammengestellt hat. © Achim Schmidt (4), Museum Mensch und Natur

Michael Apel ist froh, weil er sich für den blauen Trachtenjanker entschieden hat. „Das passt gut dazu“, scherzt der kommissarische Museumsleiter und zeigt auf eine Vitrine, in der ein Prachtexemplar prangt: Lederhosen, gefertigt aus einem Material, das aus Pilzfasern gewonnen wird und das ein Start-up aus Kalifornien lieferte. Die Nähte und Stickereien bestehen aus Maulbeerseide, das übernahm ein Säckler aus Bayern. „Ob auf der Wiesn 2050 alle Pilz-Lederhosen tragen, weiß ich zwar nicht“, sagt Apel und lacht. Aber dieses Exponat sei zukunftsweisend.

Und passt damit in die neue Sonderausstellung „Natur gestaltet – Bauwerke und Ökosysteme“ im Museum Mensch und Natur in Nymphenburg. Die Eröffnung findet am heutigen Donnerstag um 18 Uhr statt, von Freitag, 6. Dezember, bis 11. Januar 2026 können Besucher die rund 60 Exponate bewundern. Es wird gezeigt, wie eng verflochten die Baustrategien verschiedener Lebewesen sind und wie der Mensch das Wachstum von Pflanzen nutzt und aus der Natur lernt.

Die Schau bildet den Auftakt der neuen Reihe Zukunftslabore. Das Planungsteam des Naturkundemuseums will hier neue Konzepte ausprobieren, um herauszufinden, welche Themen und Formate die Besucher ansprechen. Diese Erfahrungen fließen in die Gestaltung des neuen Museums ein. Der Zeitplan für den geplanten Neubau, der zwischen Nymphenburger Schlosspark und Botanischem Garten entsteht, sei noch offen, erklärt Apel. Eventuell sei es Anfang der 2030er Jahre soweit. „Wir sind noch in der Planungsphase.“ Fest steht: Das Museum Mensch und Natur bleibt solange im bestehenden Trakt geöffnet, bis der erste Bauabschnitt fertig ist. Dann ziehe es in das neue Naturkundemuseum um, das insgesamt rund 7000 Quadratmeter Ausstellungsfläche umfasst. Die jetzigen Räume werden saniert, anschließend kommen dort Büros und Gastronomie unter, erklärt Apel. In der aktuellen Ausstellung bekommen Besucher auch Infos über der Neubau.

Im ersten Zukunftslabor integrierte das Team um Colleen M. Schmitz Zukunftsvisionen, Objekte der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlung Bayerns sowie bewährte Elemente des familienfreundlichen Mitmachmuseums. An einer Station können Besucher durch Weben, Flechten und Knüpfen einen Hocker herstellen. An einer Fühlstation hängen Stoffe zum Anfassen, etwa feinste Seide des Maulbeerspinners. „Es gibt sogar eine echte Spinne“, sagt Apel und deutet auf eine Vitrine, in der das Netz einer Madagassischen Seidenspinne zu sehen ist, samt Herstellerin. Ein Material, das indigene Völker als Kescher nutzten. Daneben steht eine Spule mit synthetischer Spinnseide, die äußerst reißfest sei. Und für den Einsatz als OP-Fäden oder in der Textilbranche angedacht ist.

Ins Auge sticht ein roter Stuhl, um den sich ein Wespennest rankt. „Es sieht aus wie eine Auftragsarbeit“, sagt Apel. Eine Münchnerin hatte sich bei ihm gemeldet, nachdem sie das Stück auf ihrem Dachboden gefunden hatte. Die Wespen waren längst weg. „Durch Beobachtung der Wespennester hat sich die moderne Papierherstellung entwickelt“, weiß Apel. Wieder mal hat sich der Mensch also was von der Natur abgeschaut.
MARLENE KADACH

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