Das bittere Ende einer Legende

von Redaktion

BR wirft Fritz Egner raus – Radio-Star ist brüskiert

Über Mick Jagger: „Ein Musiklexikon.“

Über Nelly Furtado: „Äußerst charmant.“

Über Rod Stewart: „Ein richtiger Kumpeltyp.“

Über Dolly Parton: „Toller Humor trifft Selbstironie.“

Über Anastacia: „Die Frau hat pure Energie.“

Über Soul-Star James Brown: „Seine Shows sind unerreicht.“ © Fritz Egner (7)

Über die Bee Gees: „Legendär! Und alle drei auf einmal im Studio zu haben, war höchst selten.“

Eine Legende bei der Arbeit: Am Freitag moderierte Fritz Egner überraschend ein letztes Mal „Fritz und Hits“ auf Bayern 1. © Sigi Jantz

Die Pressemitteilung vom Freitagmorgen ist überschrieben mit „Fritz Egner verabschiedet sich“. Darin lobt der Bayerische Rundfunk (BR) die Radio-Legende in höchsten Tönen. Bei Fritz Egner (75), der 45 Jahre beim BR moderierte, hörte sich das anders an. „Auf einer Skala von eins bis zehn liegt meine Enttäuschung bei einer neun“, sagt er uns. Am schlimmsten für die Fans von „Fritz und Hits“: Die letzte Sendung ging bereits am Freitag über den Äther.

Befremdlich sei, dass die Nachfolge-Sendung – immer freitags von 20 bis 23 Uhr – „Lieblingshits“ heißt. „So ein Formatradio kriegt man überall“, sagt Egner. Was man hingegen nicht mehr bekommt, sind die rund 500 Interviews mit den Rock- und Popstars von Anastacia bis Stevie Wonder, die Egner über Jahrzehnte geführt hat. Denn er hat die Rechte daran. „Ich bin für alle Interviews auf eigene Kosten um die Welt gereist. Für meine Sendung habe ich sie eingesetzt, um sie mit meinen Hörern zu teilen.“ Abgesehen davon verzichtet der BR auch auf ein einmaliges Wissen – und eine Marke, die den Sender aufs Beste repräsentiert. Egner vermutet: „Neue Besen kehren gut. Die neue Führung will sich wohl profilieren, indem sie so eine Entscheidung übers Knie bricht.“

Der Münchner wollte ohnehin aufhören, wenn der BR ins neue Studio umzieht. „Dann hätte ich gesagt: Einen alten Baum verpflanzt man nicht.“ Bei aller Enttäuschung: Die Legende ist dem BR dankbar dafür, dass er ihr „eine Radio- und TV-Karriere ermöglicht hatte, die ich mir nicht erträumt hätte“. Eine der „Dingsda“-Sendungen in der ARD habe sogar über zehn Millionen Zuschauer gehabt. Doch Egner war und ist der geborene Radiomann, ähnlich wie sein Freund Thomas Gottschalk.

Gottschalk hatte ihn – zusammen mit Jürgen Herrmann, auch so eine Radiolegende – 1979 vom US-Sender AFN geholt und überredet, zum BR zu wechseln. Damals war Egner bereits seit fünf Jahren beim „Ami-Sender“. Jürgen Herrmann machte ihm Mut: „Mach einfach das, was du bei AFN gemacht hast – bloß auf Deutsch“, erinnert sich Egner. Der riesige Bürokratie-BR-Apparat ging dem Musik-Experten dabei nie besonders auf den Sender. „Mir redete niemand rein.“

Wie geht‘s weiter? „Es gibt einige Angebote anderer Sender. Ich bin offen und fit“, sagt Fritz. Wichtig ist ihm ein mehrstündiges Format: „Eine Stunde ist zu wenig, um Spannungsbögen aufzubauen.“ Einziger Vorteil seines BR-losen Lebens: „Ich kann mein Online-Musikquiz weiter ausbauen.“ Es heißt „Quiz und Fritz“, zum Gratis-Download in allen App-Stores. Mit vielen O-Tönen der Stars.
MATTHIAS BIEBER

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