Ein Münchner im Himmel

von Redaktion

Tüftler (45) baut sich seinen eigenen Fluganzug

Rund drei Jahre tüftelte der Designer an dem innovativen Antriebskonzept mit acht Elektromotoren.

Es klappt! Konstantin Landuris hebt mit seinem selbst entworfenen Fluganzug im Eissportzentrum ab. © Magdalena Henkel/dpa (2)

Ein klirrendes Surren ertönt, die Motoren starten – dann hebt Konstantin Landuris ab. Acht kleine, von einem Gehäuse umschlossene Propeller ziehen ihn sachte nach oben. Rund 15 Sekunden schwebt der Münchner über dem Boden des Olympia-Eissportzentrums, über einen Meter hoch. Mit seinem silbernen Anzug und den acht Elektromotoren um den Hals wirkt der 45-Jährige ein wenig, als käme er geradewegs aus der Zukunft.

„Das Projekt ist für mich ein wenig Science Fiction – nur wollte ich nicht darauf warten, bis andere Firmen das irgendwann in Gang bringen“, sagt Landuris. So baute sich der Münchner einfach selbst seinen eigenen Fluganzug. Vollelektrisch. Ganze drei Jahre tüftelte er daran. Nun standen in den vergangenen Tagen die ersten Probeflüge an, mit Erfolg. Landuris hob ab und ist im Himmel. Nicht lang, nicht hoch, aber er flog. Das zähle für ihn. „Für mich ist das ein persönlicher Meilenstein.“ Klar, steckte er doch viel, viel Arbeit in das Projekt, wie er sagt.

Aber wie kommt jemand auf die Idee, sich einen Fluganzug zu basteln? Der Traum vom Fliegen, vom in die Luft steigen, schlummerte schon seit Kindheitstagen in Landuris, erzählt er: „Der Plan war mal, Astronaut zu werden.“ Daraus wurde nichts: Landuris ist eigentlich Ingenieur der Innenarchitektur und Produktdesigner. Mit Luft- und Raumfahrt hat sein Beruf eigentlich wenig zu tun.

Irgendwann habe er davon erfahren, dass es Elektromotoren gibt, die mehrere Kilogramm anheben und schweben lassen können: „Ich dachte: Wie abgefahren wäre das denn, wenn ich mich selbst in die Luft hochziehen lassen könnte“, sagt er. Er rechnete aus, wie viele Antriebe er dafür bräuchte und wie viel das kosten würde: „Ich kam auf einen Preis eines Mittelklassewagens“, sagt er. Für ihn allein kaum zu stemmen. „Das war eine Nummer zu groß für mich.“

Er legte das Projekt daraufhin schon fast auf Eis. Doch dann bekam er Hilfe: Das Kompetenzzentrum Bayern Design, vom Freistaat gefördert, sprang für das Fluganzug-Projekt mit rund 50 000 Euro in die Bresche. „Dann hatte ich den Schlamassel“, sagt er lachend. Es gab kein zurück mehr.

Landuris musste liefern: Er, der „Autodidakt“, wie er sich selbst nennt – der vieles ganz okay kann, aber auf keinem Gebiet Experte ist, entwickelte in Eigenregie den Fluganzug. Vieles sei dann deutlich komplizierter gewesen, als anfangs gedacht, erinnert er sich. Doch er biss sich durch, schaute Online-Tutorials, holte Tipps von Freunden und Unternehmen ein. Die Technik seines Anzugs funktioniere dabei ähnlich wie bei einem Modellflieger.

Und Landuris hat es geschafft, er hob wirklich ab: „Ich habe für mich persönlich alles erreicht, was ich erreichen wollte“, sagt er. Sogar mit einigen Neuheiten, wie er selbst findet: Anders als bei Raketenrucksäcken baumelten bei ihm die Beine nicht, da er von den Schultern bis zu den Füßen in den Anzug gespannt sei und daher die Kraft im ganzen Körper liegt. „Diese Verbindung zwischen Mensch und Maschine, das ist meine Innovation.“

Nun sei das Projekt jedoch an einem Punkt angelangt, wo Landuris alleine nicht mehr viel weiter kommen könne. Er brauche jetzt Partner, Experten oder Firmen, die ihn unterstützen. Die Münchner Bundeswehr-Uni habe bereits Interesse angemeldet. Wer weiß, vielleicht fliegt der Münchner wirklich bald ganz hoch.
JULIAN LIMMER

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