Die Betrüger rufen auf dem Festnetz an und erzählen oft Einbruchs-Geschichten. © Gollnow/dpa
Im Internet machen sich falsche Polizisten über Senioren in Deutschland lustig. Die Trickbetrüger, die in der Türkei aus dem Gefängnis freigekommen sind (wir berichteten), haben großspurig weitere Taten angekündigt. Und diese Drohung scheint ernst gemeint gewesen zu sein. Denn seit die Betrüger auf freiem Fuß sind, steigen die Fallzahlen in München wieder spürbar an. Jüngstes Opfer ist eine Schwabingerin. Die Über-80-Jährige überließ den Betrügern 20 000 Euro.
Das Geld hatte die Senioin zu einem Paket zusammengeschnürt und am Montagabend aus dem fünften Stock ihres Mehrfamilienhauses geworfen. Am Josephsplatz schnappten sich dann Abholer die fette Beute.
Angerufen wurde die betagte Münchnerin das erste Mal am Sonntag. Am Telefon gaben sich die Betrüger als Polizisten aus. Ihre Geschichte hatte zwei Teile: Erstens habe es in der Nachbarschaft viele Einbrüche gegeben und der Name der Schwabingerin sei auf einer Liste potenzieller nächster Opfer aufgetaucht. Im zweiten Teil der Geschichte ging es dann um Falschgeld-Probleme bei ihrer Bank. Um die Seniorin zu schützen, müsste sie nun ihr Erspartes abgeben. Die Frau glaubte den Anrufern. Wer Hinweise hat, erreicht die Ermittler des Kommissariats 61 unter 089/29100.
Die Polizisten mussten beim Kampf gegen die Telefon-Betrüger gerade erst einen Rückschlag hinnehmen. Wie berichtet, konnten sie in enger Zusammenarbeit mit den Kollegen in der Türkei mehrere Callcenter hochnehmen. 2022 wurden 36 Männer, darunter auch die Drahtzieher der Abzocke, zu langen Haftstrafen verurteilt. Aktuell läuft das Berufungsverfahren. Die Verurteilten sind auf freiem Fuß.
NAH