Dreiste Diebin im Hofladen

von Redaktion

Kasse auf Hühner-Hof in Unterföhring geknackt

Vermummt mit schwarzem Mantel, Schal und Sonnenbrille: Die Überwachungskamera hat die Täterin beim Aufbrechen der Kasse im Hofladen der Familie Zehetmair gefilmt.

Landwirt Stefan Zehetmair füllt die Eier in seinem Hofladen in Unterföhring im Kreis München auf. Am Montag wurde die Kasse hinter ihm aufgebrochen. © Privat (2)

Unterföhring – In nur 25 Sekunden macht diese Diebin fette Beute. Vermummt in Mantel, Schal und Sonnenbrille hat sie am Heilig-Drei-König-Tag im Hofladen von Familie Zehetmair in Unterföhring die Kasse mit einem Maurerspachtel aufgebrochen, das ganze Bargeld in ihren Rucksack gestopft und ist getürmt. Hühnerbauer Stefan Zehetmair weiß so genau, wie die Tat abgelaufen ist, weil seine Überwachungskamera alles aufgezeichnet hat.

Unzählige Male hat sich der 29-Jährige das Video angeschaut – und ist noch immer fassungslos. „Unser Selbstbedienungshofladen liegt genau gegenüber unserer Haustür und am Feiertag herrschte dort reger Betrieb. Dieser Dieb – der Statur nach wohl eine Frau – war echt dreist, er hätte jederzeit ertappt werden können.“

Frische Eier, Suppenhühner und Kartoffeln interessierten die Diebin nicht. „Im Video sieht man, wie sie direkt auf die Kasse zuläuft und mit dem Werkzeug loslegt. Da kannte sich jemand aus“, sagt Zehetmair. An die 500 Euro müssten zur Tatzeit um 16 Uhr in der Kasse gewesen sein. Eigentlich wird sie zwischengeleert. Am Montag aber war Besuch da, die Heiligen Drei Könige. Und die blecherne Kasse zu knacken, war die leichteste Übung. Anzeige hat Zehetmair nicht erstattet. „Auf der Kasse sind tausende Fingerabdrücke. Ich habe wenig Hoffnung, dass man den Täter so finden könnte.“

Das Konzept aus Selbstbedienung und Vertrauenskasse ist bei Hofladen-Betreibern beliebt. Für die frische Ware schmeißen Kunden den passenden Betrag in eine Kasse. Je unkomplizierter das Kassensystem, desto anfälliger für Langfinger. Die Straftaten in Hofläden und kleinen Betrieben dieser Art nehmen zu, erklärte ein Sicherheitsexperte des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord unserer Zeitung erst im Dezember.

Annemarie Lampl ist beim Bayerischen Bauernverband Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft „Einkaufen auf dem Bauernhof“. „Je schlechter die Zeiten, desto dreister die Diebe“, sagt sie. Immer wieder werden Betriebe Opfer, auch ihr Hofladen in Pfaffenhofen an der Glonn im Kreis Dachau wurde schon geplündert. „Wir vertreiben in einem SB-Häuschen Produkte aus unserer Hofmetzgerei. Uns wurde mehrfach Ware im Wert von mehreren hundert Euro gestohlen, bis wir den Täter ertappten.“ Danach blieb der Laden aus Schock eine Zeit zu. „Man will an das Gute im Menschen glauben. Aber nur 98 Prozent sind ehrlich.“

Im Februar lädt der Bauernverband Betriebe in Herrsching zur Konferenz der Direktvermarkter. „Ein Veranstaltungspunkt dreht sich um das Thema Sicherheit von SB-Häuschen und Automaten“, sagt Lampl. „Es gibt elektronische Systeme, die den Zutritt zum Laden nur per App ermöglichen, oder indem vorab eine EC-Karte gescannt worden ist.“

So massiv will Stefan Zehetmair noch nicht investieren. „Ältere Kunden will ich mit so viel Technik nicht ausschließen, aber ich werde ein massivere Kasse, die auch in die Wand eingelassen ist, einbauen“, sagt er. „Bisher lag ein Teller mit Wechselgeld vor der Kasse. Wir haben den Laden 2020 eröffnet und nie schlechte Erfahrungen gemacht. Im Gegenteil: Die Kunden sind brutal ehrlich. Ich bekomme Emails, in denen steht, dass jemand zu wenig Geld dabei hatte und die Schulden beim nächsten Mal zahlt.“ Die Vertrauenskasse ist für Zehetmair auch Glaubensfrage. „Was passiert ist, ist traurig.“ Aber für die ehrlichen Kunden macht er weiter.
CORNELIA SCHRAMM

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