Rätsel um diesen Briefkasten

von Redaktion

Schwabinger Paar sauer: „Hier wird nicht geleert“

Diese Botschaft an den Briefträger hängte das Paar an einem anderen Kasten in der Nähe auf. © Nina Bautz

Sie sind verärgert: David O. und Patricia S. am proppevollen Briefkasten an der Hohenzollernstraße. © Marcus Schlaf (2)

Misstrauisch blicken Patricia S. (32) und David O. (32) auf den Briefkasten an der Ecke Hohenzollernstraße/Schleißheimer Straße. Der rechte Teil des gelben Kastls: voll bis oben hin! Das Münchner Paar behauptet: „Dieser Briefkasten wird seit Wochen nicht geleert!“ Die Post behauptet das Gegenteil. Aber Patricia S. und David O. sind mittlerweile zu regelrechten Detektiven geworden und haben Indizien gesammelt, die ihre Theorie belegen sollen. Ihre Mission: Sie wollen das Rätsel um diesen Briefkasten in Schwabing lösen.

Was ist da los? Auf Anfrage heißt es von der Deutschen Post: „Wir haben dazu gründlich recherchiert. Auch dieser Briefkasten wurde stets planmäßig wie vorgesehen geleert. Wir stellen hier keinerlei Unregelmäßigkeiten fest. Es liegen auch keine weiteren Reklamationen bei uns dazu vor.“ Das aber glaubt das Paar überhaupt nicht. „Das kann nicht sein. Dann hat die Post nicht richtig recherchiert. Die sollten sich mal vor Ort überzeugen“, sagt Qualitätsmanagerin Patricia S.

Warum beide so überzeugt sind, dass zumindest ein Teil des Doppel-Kastens schon länger nicht mehr geleert wird? Indiz Nummer 1: Vor dreieinhalb Wochen haben Patricia S. und David O., die im September heiraten wollen, in den rechten Teil des Doppel-Briefkastens 17 Briefe eingeworfen: 15 Hochzeits-Einladungen mit unterschiedlichsten Zieladressen, einen Weihnachtsbrief und einen offiziellen Brief. „Und bis heute ist keiner davon angekommen. Wir haben alle Adressaten mehrmals kontaktiert und gefragt“, so die künftige Braut. „Erst dachten wir: Um Weihnachten rum kann es ja immer etwas länger dauern. Wenn es nur um einen Brief gehen würde, hätten wir uns auch nicht gewundert. Das kommt ja häufiger mal vor. Deswegen hat sich vielleicht auch noch kein anderer Betroffener bei der Post gemeldet. Aber bei so vielen Briefen – da muss etwas faul sein!“

Mehrere Anrufe beim Kundenservice der Post, dazu Online-Beschwerden und ein Brief-Suchauftrag liefen nach ihren Aussagen ins Leere. „Es hieß immer nur: Wir kümmern uns …“ Seit rund zwei Wochen sind die beiden nun gewissermaßen als Privatdetektive in eigener Sache unterwegs. „Es geht hier auch ums Prinzip. Man muss sich doch auf die Post verlassen können – wir sind echt genervt mittlerweile. Die Post sinkt auf das Niveau der Deutschen Bahn“, sagt David O. Bei ihren Ermittlungen fällt ihnen Indiz Nummer 2 auf: Selbst die Briefe ganz oben im überfüllten Briefkasten sind mit 85-Cent-Briefmarken beklebt. Seit 1. Januar kosten die Marken aber 95 Cent. Kann ein Fehler der Absender sein – aber in ihren Augen ist das verdächtig.

Dann versuchen es die zwei Münchner mit Unterstützung: Sie kleben einen selbst geschriebenen Zettel an den nächstgelegenen Briefkasten. Darauf steht: „Lieber Briefträger, bitte auch den Briefkasten Schleißheimer Str./ Hohenzollernstr. an der Haltestelle Nordbad leeren. Dieser wurde seit Wochen nicht geleert. Danke!“ Sie sagen: ohne Erfolg. Das bringt sie zur nächsten Mission: IT-Consultant David O. will den Post-Angestellten persönlich vor Ort ansprechen und darum bitten, auch den rechten Teil des Briefkastens zu leeren. Drei Mal legt er sich zu der am Kasten angegebenen Leerungszeit auf die Lauer, wartet zur Sicherheit noch eine halbe Stunde länger. „Und nie ist jemand gekommen.“ Indiz Nummer 3!

Mittlerweile hat sich das baldige Brautpaar selbst geholfen, die Hochzeitseinladungen abfotografiert und sie allen 15 Gästen, die den Brief nicht erhalten haben, per Whatsapp geschickt. „Und meine Briefe gebe ich nur noch in der Filiale ab“, sagt die 32-Jährige. Dennoch hofft sie weiter, irgendwann zu erfahren, was des Rätsels Lösung um diesen Briefkasten ist.
NINA BAUTZ

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