Ein Bild aus besseren Zeiten: Vor der Pandemie war das Sushi & Soul gut besucht.
Nigiri Maki, Sojasauce und Wasabi: Die Nachfrage nach Sushi im Glockenbachviertel ging zuletzt stark zurück.
Gastronomischer Wechsel: Ab Sommer soll‘s an der Klenzestraße Pizza und Pasta geben.
Aus und vorbei: Wirt Chris Herbst kapituliert. Zu wenige Gäste besuchen sein kultiges Sushi-Lokal im Glockenbach. © M. Götzfried (2), Sushi & Soul (2)
Und wieder verliert München eine Institution: Das Sushi & Soul im Glockenbachviertel schließt in rund einer Woche, am 26. Januar. Für immer. „Ich hab keine Ahnung, wie‘s für mich weitergeht“, sagt Wirt Chris Herbst (62). Er hat keine Zeit zum Nachdenken. Seit sich rumgesprochen hat, dass er dichtmachen muss, rennen Gäste ihm die Türen ein. Ein Zurück gibt‘s aber nicht. „Denn die Entscheidung zuzumachen fällt man nicht von heute auf morgen.“
Als ihn unsere Reporterin in seinem Lokal in der Klenzestraße 71 trifft, schaut er ernst. Gastronomen in München kämpfen mit hohen Kosten, niedrigen Umsätzen und Personalmangel – und viele scheinen diesen Kampf zu verlieren. Zum Jahreswechsel verkündete Tresznjewski-Chef Mark Strickmann das Aus seiner Kult-Brasserie in der Barer Straße. Auch Traditionswirtschaften wie das Siebenbrunn am Tierpark oder das Schwabinger Occam Deli haben jüngst kapituliert.
Im Haus in der Klenzestraße geht‘s gastronomisch zwar weiter. Eine Sprecherin bestätigt auf Anfrage, dass die Kette L‘Osteria dort einziehen und im Sommer mit Pizza und Pasta starten will. Chris Herbst serviert dieser Tage noch die letzten Sushi-Röllchen und Whiskeys. „Wir dürfen bis 1 Uhr öffnen und früher mussten wir die Gäste nachts regelrecht rauskehren“, erzählt er. Dann kam die Corona-Pandemie. „Das haben wir noch ganz gut geschafft.“ Aber seitdem kommt nach 20 Uhr quasi keiner mehr, dabei startet er erst um 18 Uhr. Herbst versteht, dass die Leute angesichts hoher Lebenshaltungskosten sparen. Auch wegen der gestiegenen Inflation und der angehobenen Mehrwertsteuer verzichten einige als erstes aufs Auswärtsessen. Aber der Wirt muss nun die Reißleine ziehen, denn auch seine Miete wird ständig erhöht.
„Ich glaube nicht, dass auf die Branche rosige Zeiten zukommen.“ Er will es sich gut überlegen, ob er noch mal eine Gastronomie eröffnet. „Erst einmal falle ich aber wahrscheinlich in ein tiefes Loch – das prophezeien mir alle“, erzählt Herbst. Klar ist für ihn: Seine Familie wird sich freuen, dass er bald mehr Zeit hat. Inzwischen ist er Opa. Das erste Wort des kleinen Buben war „Lachs“.
REGINA MITTERMEIER