Schwierig für Senioren: Fahrgast Hans Haberl.
Die Leute fragen oft nach dem Weg: Mehmed Zukic vom Schuh-Schlüssel-Service im Zwischengeschoss des U-Bahnhofs.
Stephanie Peklo kritisiert die Beschilderung.
Freundlich und aufgeräumt präsentiert sich der Eingang zur U-Bahn am Sendlinger Tor.
Die Klarheit geht verloren: die neue U-Bahn-Station Sendlinger Tor. © Marcus Schlaf (5)
Stephanie Peklo schiebt ihren einjährigen Buben hektisch durch das Zwischengeschoss an der U-Bahnstation Sendlinger Tor. „Es ist hier nicht so gut ausgeschildert“, findet die Münchnerin und wirft einen fragenden Blick auf ihr Handy. Deshalb müsse sie oft hin- und herrennen, um den richtigen Ausgang zu finden. Aufzug hoch, Aufzug runter. Eine Strapaze mit Kinderwagen. Eine gut platzierte und große Übersicht fände Peklo daher gut. Die Wegeführung sei „verbesserungswürdig“.
So wie Peklo geht es vielen Fahrgästen, die am Sendlinger Tor aussteigen: Sie suchen, teils verzweifelt, den richtigen Ausgang. Bekanntlich wurde die U-Bahn-Station saniert und umgebaut. Es entstanden mehr Platz, direktere Wege, mehr Fahrtreppen, Lifte, ein weiterer Ausgang, zusätzliche Ladenflächen. Während der Baustellenzeit war einer der Verkehrsknotenpunkte Münchens, wo sich die U-Bahnlinien U1, U2, U3, U6 und U7 sowie die Tramlinien 16, 17, 18 und 27 treffen und täglich gut 200 000 Menschen umsteigen, als Labyrinth bekannt. Pendler mussten sich ständig neu orientieren. Doch ist es jetzt besser?
Nein, finden die Studentinnen Sophie Bernhard und Valerie Rechenauer. „Es gibt hier gefühlt 1000 Ausgänge“, sagt Bernhard. Tatsächlich sind es elf. Aber: „Als Tourist wäre ich hier hilflos.“ Die beiden wünschen sich eine bessere Beschilderung. So wie Hans Haberl aus Feldkirchen-Westerham. Von der U1 führe ein Schild auf die Südseite der Sonnenstraße. Wer auf die Nordseite wolle, müsse eine Extrarunde drehen, moniert der 85-Jährige. Schwierig für Senioren. Herumirrende Fahrgäste landen oft bei Mehmed Zukic, der bei einem Schlüssel-Service im Zwischengeschoss arbeitet: „Jeden Tag kommt jemand rein und fragt nach dem Weg“, berichtet er. „Oft kenne ich mich selbst nicht aus.“ Bei so vielen Ausgängen verliere man den Überblick. Auch nebenan im Blumen Paradies Karimi fragen viele nach dem richtigen Ausgang. „Ein ordentlicher Info-Stand wäre gut“, findet Inhaberin Mariam Karimi.
Aus Sicht der MVG hat sich die Situation seit dem Umbau positiv verändert: „Der barrierefreie Zugang zum U-Bahnhof wurde verbessert, die Leistungsfähigkeit beim Umsteigen ist höher, im Zwischengeschoss haben mehr Geschäfte eröffnet“, erklärt ein Sprecher. Aber er räumt ein: Im Zwischengeschoss seien zwar nahezu alle Wegweiser fertig, an den Bahnsteigen noch nicht. „Wir gehen davon aus, dass wir sie im Laufe des Frühjahrs komplett fertigstellen können.“ Sein Tipp: „Am einfachsten orientieren sich ortsunkundige Fahrgäste an der Buchstabierung der Ausgänge, wie sie im Umgebungsplan sowie auf den Wegweisern verwendet wird.“ Bei einer Verbindungssuche in der Mobilitäts-App MVGO werde der richtige Ausgang angezeigt.
Der Schuh drückt übrigens auch an anderer Stelle: „Viele Leute fragen nach einem WC“, sagt Karimi vom Blumenladen. Ein solches fehlt im Untergrund. Und das, obwohl das Sendlinger Tor eines der größten Drehkreuze Münchens ist. Der MVG-Sprecher sagt: „Im Bestand gab es keine Toilettenanlage.“ Bei der Modernisierung sei der Einbau einer neuen nicht vorgesehen gewesen. Nördlich des historischen Sendlinger Tors befinde sich aber eine öffentliche Toilette. Immerhin: Im Zuge des Umbaus kamen zwei neue Aufzüge hinzu, mit denen das WC jetzt barrierefrei erreichbar sei.
Marlene Kadach