Andrea Helfer hatte als Achtjährige Krebs im Oberschenkel und ist auf Krücken angewiesen. © Marcus Schlaf
Überleben bedeutet Verantwortung, sagt Andrea Helfer: „Man muss auch etwas daraus machen!“ Die 43-jährige Landshuterin lebt schon seit mehr als drei Jahrzehnten mit der Diagnose Krebs. Mit acht Jahren wurde bei ihr ein aggressiver Tumor im rechten Oberschenkelknochen festgestellt. Die Prognosen waren schlecht. Operiert wurde sie dann 1990 in Wien, da lange Oberschenkelknochenprothesen für Kinder damals in Deutschland noch kein Arzt einsetzen konnte. „Mein Überleben ist für mich ein Geschenk, bis Mitte 20 hatte ich mehr Operationen hinter mir als Kerzen auf der Geburtstagstorte“, erinnert sich die heute 43-Jährige. Sie rät jedem, alle Krebsvorsorgeuntersuchungen zu machen. Anlässlich des heutigen Weltkrebstages widmete das Krebszentrum München (CCC) jungen Langzeitüberlebenden am Montag eine Pressekonferenz im Presseclub München.
„Ich wünsche mir, dass eine Krebsdiagnose nicht gleichgesetzt wird mit einem Todesurteil, denn zum Glück stimmt das heute nicht mehr“, betonte Bastian Schwarz. Bei ihm wurde vor vier Jahren ein seltenes Sarkom, also Krebs in einem Muskel, festgestellt. Seit er die Krankheit in den Griff bekommen hat, engagiert er sich für junge Krebskranke und ist Mitglied im Patientenbeirat des Deutschen Krebsforschungszentrums. Es sei für ihn sehr wichtig gewesen, dass schon kurz nach der Diagnose ein Psychoonkologe zu ihm ans Klinikbett kam: „Die psychologische Unterstützung, aber auch einfache Ratschläge, zum Beispiel, dass ich mir als Krebskranker einen Schwerbehindertenausweis holen kann, haben mir sehr geholfen.“
Wie wichtig auch Sport für Patienten ist, betonte Sportkardiologe Prof. Martin Halle vom TUM-Universitätsklinikum. „Spätestens mit der Krebsdiagnose sollte man mit körperlichem Training beginnen“, erklärte Halle. Denn wie gut eine Tumortherapie anschlägt, hänge stark davon ab, in welchem körperlichen Zustand der Patient zu Beginn der Behandlung ist. Je mehr Muskelmasse und Ausdauer, desto besser schlägt im Regelfall auch die Therapie an. So sollte beispielsweise eine Brustkrebspatientin eine halbe Stunde pro Tag zügig gehen, riet Halle.
„Jeder kleine Schritt zählt, auch in puncto Ernährung“, ergänzte Dr. Nicole Erickson, Koordinatorin für Gesundheitskompetenz am LMU Klinikum. „Man sollte versuchen, aus jeder Mahlzeit eine gesunde zu machen: Die Hälfte sollte Gemüse oder Obst sein, ein Viertel Kohlenhydrate wie Kartoffeln und ein Viertel Eiweiß.“ Gesunde Ernährung sei übrigens gar nicht schwer, findet Erickson, die gestern auch ihren 50. Geburtstag feierte: „Maß halten, auf Vielfalt achten und viel selbst kochen.“
SUSANNE SASSE