Kantor Nikola David. © imago
Zunächst erschütterten Schreie, das Mehrfamilienhaus in der Augsburger Lilienthalstraße, dann fanden Nachbarn den Opernsänger und Kantor der Münchner jüdischen Gemeinde Beth Shalom, Nikola David (55), sterbend im Hauseingang. Seit gestern muss sich sein eigener Sohn Aleksa (29) wegen Totschlags vorm Landgericht Augsburg verantworten.
Nicht nur die Umstände der Tat am 2. August 2024 sorgten für Bestürzung – das Opfer war der erste jüdische Kantor in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg, arbeitete als Vorsänger für die liberale jüdische Gemeinde Beth Shalom in München. „Mein Vater war ein herzensguter Mensch, er hat alles für mich getan“, sagte der Beschuldigte zum Prozessauftakt in dem Sicherungsverfahren, in dem es lediglich um seine unbefristete Unterbringung in einer Psychiatrie geht. Laut Staatsanwalt Thomas Junggeburth leidet Davids Sohn an einer paranoiden Schizophrenie und hatte kurz vor dem Streit mit seinem Vater seine Tabletten abgesetzt. Junggeburth: „Imperative Stimmen befahlen ihm, sein Vater zu töten.“ Er habe sich eingeredet, dass dieser seiner Geliebten etwas antun wolle.
„Was ich ihm angetan habe, ist furchterregend und traurig zugleich“, sagte der arbeitslose Elektroniker. Er hoffe, dass seine Familie ihm irgendwann verzeihen könne. Staatsanwaltschaft und Verteidigung sind sich einig, dass er im Zustand der Schuldunfähigkeit handelte. Anwalt Ulrich Swoboda: „Im gesunden Zustand wäre ihm das nie passiert. Er glaubte, auf dem einen Ohr den Teufel und auf dem anderen den lieben Gott zu hören.“
Seit 2014 war der Tenor nach Stationen an den Theatern Eisenach, Augsburg und Dessau Kantor in München. „Wie wir Nikola kannten, leitet er bereits einen Engels-Chor“, verabschiedete sich die Gemeinde Beth Shalom im August.
MM