Der Musiker Hans Well wird auftreten. © Daniel Karmann
Demo-Organisatorin Micky Wenngatz.
Die Groß-Demo vom vergangenen Jahr am Siegestor. © Klaus Haag, Achim Schmidt
Es ist der 21. Januar 2024, als die Leopold- und Ludwigstraße inklusive der U-Bahnhöfe aus allen Nähten platzen. Als München bundesweit Schlagzeilen macht, weil rund 250 000 Menschen auf die Straßen rund ums Siegestor pilgern, um gegen Rechts zu demonstrieren. So viele, dass die Demo wegen Sicherheitsbedenken vorzeitig beendet wird. Für kommenden Samstag um 14 Uhr ruft nun ein breites Bündnis zur Demo „Demokratie braucht dich!“ auf der Theresienwiese auf. Wird das die nächste Mega-Demo?
Der Anlass: Geplant gewesen sei die Demonstration bereits seit November, angemeldet vor Wochen, betont Organisatorin Micky Wenngatz (SPD) vom Verein „München ist bunt“. „Wir kämpfen für die Demokratie. Wir glauben, dass sie seit Monaten durch Rechtsextremisten gefährdet ist, das zeigen auch Wahlergebnisse. Viele Menschen haben Angst vor diesem Rechtsruck. Wir zeigen, dass sich die Zivilgesellschaft dem entgegenstellt. Aber auch die Vorkommnisse von vergangener Woche, bei denen Friedrich Merz einen Tabubruch begangen hat, indem er mit Rechtsextremisten zusammengearbeitet hat, sind ein Thema. Die Empörung in der Bevölkerung ist jetzt noch größer.“
Auf der Bühne: „Wir wollen bewusst keine Wahlveranstaltung, auf der Politiker sprechen, sondern die Zivilgesellschaft sprechen lassen“, erklärt Micky Wenngatz. Moderieren wird Özlem Sarikaya vom BR, Sängerin Susanne Spahn tritt auf, genauso Rapper Roger Reckless, die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner, der österreichische Journalist Robert Misik und viele mehr. Einer, der sich oft gegen Rechts einsetzt, wird auch diesmal dabei sein: der Musiker Hans Well mit seinen Wellbappn. „Deutschland war bis jetzt ein stabiler Anker“, erzählt er unserer Zeitung. Aber man sehe in den USA und anderen Ländern, wie schnell die Demokratie gekapert werde, wenn die Rechten am Zug seien. „Das treibt mich wirklich um. Es kommt eine Gefahr auf uns zu. Die AfD wächst – und hat Aggressionspotenzial. Da müssen alle Alarmzeichen auf Rot stehen! Wer jetzt nicht kapiert, worum es geht, der wacht morgen in österreichischen Verhältnissen auf.“
Die Demonstranten und Unterstützer: Dass sie zur Demo „München ist bunt“ geht, war für sie gleich klar, erzählt die Münchner Studentin Laura Schreiber (26). Sie wolle etwas machen, aktiv werden gegen Rechts. Zur Demo am Samstag geht sie nicht aus gezieltem Protest auch gegen die CDU/CSU. „Ich gehe hin, weil mich der Rechtsruck besorgt, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa.“ Über 200 Unterstützer aus allen gesellschaftlichen Bereichen haben sich der Demo bereits angeschlossen, unter anderem die AWO, das NS-Dokuzentrum, der CSD München, der Mieterverein, die Münchner Sportjugend und der VdK München.
Die Teilnehmerzahl: Angemeldet waren gestern am Vormittag noch 25 000 Menschen. Aber im Verlauf des Tages mussten die Organisatoren die erwartete Teilnehmerzahl dann auf 75 000 hochschrauben. Micky Wenngatz: „Viele rechnen sogar mit einer sechsstelligen Zahl, also mindestens 100 000.“ Wenn es noch mehr Menschen werden sollten, sollte es nicht wie vergangenes Jahr zum Chaos kommen. Die Theresienwiese ist für Großveranstaltungen ausgelegt, einmal wegen der riesigen Fläche, andererseits wegen der vielen Möglichkeiten, dorthin zu gelangen. Bereits 2024 hatte es dort das Lichtermeer für Demokratie gegeben – ebenfalls mit 100 000 Teilnehmern.
Öffentlicher Nahverkehr: „Wir stellen uns darauf ein, dass viel los sein wird“, sagt ein MVG-Sprecher. Man werde zusätzliche Züge auf der Strecke U4/U5 einsetzen, sodass statt des Fünf-Minuten-Takts ein Drei-Minuten-Takt angeboten wird. Dennoch könne es eng werden. Deshalb empfiehlt die MVG, verschiedene Wege zu nutzen, um die Haltestelle Theresienwiese zu entlasten: zum Beispiel über den Halt Poccistraße, Goetheplatz, Schwanthalerhöhe, Hauptbahnhof oder Hackerbrücke. „Außerdem sind 40 Mitarbeiter im Einsatz, um an den U-Bahnhöfen Theresienwiese und Goetheplatz die Fahrgastströme zu lenken.“
NINA BAUTZ,
LEA SCHÜTZ