ManU-Fans trinken Wirtshaus leer

von Redaktion

2000 Halbe in Trudering: Engländer gedenken des Flugzeug-Absturzes ihrer Elf 1958

Das Gelage nach dem Gedenken: Manchester-Anhänger gestern im Truderinger Wirtshaus. © Jens Hartmann, dpa

Im dichten Schneetreiben: das abgestürzte Flugzeug in München im Jahr 1958.

Erst trauern – dann trinken! Hunderte britische Fans aus Manchester stürmten gestern „s‘Truderinger Wirtshaus“. Und sorgten dort für Rekord-Umsatz.

Rund 500 Fans waren aus dem Norden Englands in den Münchner Osten gekommen. Der Anlass: ein trauriger. Am 6. Februar 1958 stürzte das Flugzeug der damaligen Mannschaft von Manchester United kurz nach dem Start vom Flughafen München-Riem im dichten Schneetreiben ab. 23 Menschen starben, unter ihnen acht der legendären, nach ihrem Trainer benannten „Busby Babes“. Mit an Bord: der spätere Weltmeister Bobby Charlton, der knapp überlebte.

Der „Munich Air Crash“ ist in Manchester allgegenwärtig: Im Stadion Old Trafford gibt es einen „Münchner Tunnel“ und eine Uhr, die immer 15.04 Uhr anzeigt – den Zeitpunkt des Absturzes. Kein Wunder also, dass Trudering zum Wallfahrtsort geworden ist. Der Absturzort heißt seit 2008 Manchesterplatz. ManU-Fans pilgern jährlich in Scharen hierher. Sie legen Schals und Briefe ab, singen – einige weinen sogar. Um 15.04 Uhr gedenken sie schweigend am Gedenkstein der Opfer.

Nach diesen ergreifenden Szenen ergriffen die Fans Besitz vom Wirtshaus ein paar hundert Meter weiter. 140 Menschen passen hinein, sagt Wirt Marcel Schmitt-Gratzer – an normalen Tagen jedenfalls. Gestern stürmten rund 500 Fans die Gaststätte, tranken dort das Augustiner quasi aus. Um 16.06 Uhr meldete Schmitt-Gratzer: „Ein bisschen Bier haben wir noch. 15 Fünfzig-Liter-Fässer sind schon leer, wir rechnen damit, dass sie fünf weitere austrinken.“

1000 Liter in wenigen Stunden also – oder umgerechnet 2000 Halbe. Aber ohne alkoholbedingte Negativfolgen. Der Wirt: „Sie sind alle sehr höflich, typisch Engländer. Nur ab und zu muss man sie wieder von den Tischen runterholen.“

Neben vielen Einnahmen gab‘s für Schmitt-Gratzer viel Freude an diesem Tag: „Ich erlebe das zum dritten Mal, es ist immer wieder ein Riesenspaß.“ Trauer hin oder her.
THOMAS GAUTIER

Artikel 2 von 9