Die Stimme für Schwache erheben: Hanne Möller.
Studentin Anna von Roell geht es um die Zukunft.
Für die Enkel: Ulrike Laufer und Hedi Mainka. © Bodmer (3)
Es war ein bunter Querschnitt der Gesellschaft, der bei der Riesen-Demo gegen Rechts mitmachte: So unterschiedlich wie die Teilnehmer waren ihre Motive. Unsere Zeitung hörte sich auf der Theresienwiese um und traf zum Beispiel die 19-jährige Studentin Anna von Roell: Sie hat Angst davor, dass sich „das Morgen immer mehr mit dem Vorgestern vermischt und zu einer braunen Brühe“ wird.
Zukunft und Vergangenheit liegen für die junge Frau nah beieinander. Sie lebt bei ihrer Oma, die aus ihrer Heimat im Zweiten Weltkrieg fliehen musste. Um eine bessere Zukunft geht es auch Ulrike Laufer (66) und Hedi Mainka (70) und zwar für ihre Kinder und Enkelkinder. Ihnen wollen sie ein Leben ohne Hass und Spaltung ermöglichen: „Diese Demonstration zeigt, dass es doch noch viele Menschen gibt, die sich auflehnen wollen.“ Die Diözesanvorsitzende der katholischen Arbeitnehmerbewegung, Hanne Möller (78), setzt sich schon lange für diejenigen ein, die in der Gesellschaft weniger gehört werden. Für sie war es fast „eine Verpflichtung“, auf die Theresienwiese zu kommen. „Rechts wird nur gestrickt“ – einer von vielen Sprüchen, die auf die Schilder gepinselt wurden. Lukas A. (33) wollte sich damit für Menschenrechte für alle starkmachen. Er arbeitet mit alten- sowie beeinträchtigten Menschen und erzählt von der Sorge vor Ausgrenzung, die viele Menschen mit Behinderung jetzt schon haben.
So voll es auch war, manche Gruppen schafften es, zusammenzubleiben, wie Steffi (37), Leo (37), Annika (32) und Linjohn (30): „Heute soll dafür sein, dass die Leute wählen gehen und demokratisch sind“, sagt Steffi. Leo war darüber hinaus über den vorschnellen Ausschluss bestimmter Koalitionen empört. Allen voran aber steht für die Freunde das Streben nach einer offenen und vielfältigen Gesellschaft. Dafür lohne es sich, rauszugehen.
MILA MILKOVIC