Schrille und schillernde Gestalten ließen das Jahr 1900 wieder aufleben. © Oliver Bodmer
Zurück zu den Wurzeln: 125 Jahre wird das Künstlerhaus am Lenbachplatz heuer alt – und so zog es am Samstagabend auch die Gaukler ins Jahr 1900. Seitdem fanden und finden hier fantasievolle Künstlerbälle statt, einst initiiert unter anderem von Franz von Lenbach. Heute ist der Gauklerball im Künstlerhaus ein Fixstern im Universum des Münchner Faschings. Bunt, fantasievoll und ganz besonders verspielt.
Conferencier Albrecht von Weech begrüßte die Feiernden zu einer rasanten Reise in die Zeit der Jahrhundertwende. Im Foyer des Künstlerhauses spielte ein Trio Walzer, im Millerzimmer waren Möbel aus der Zeit der Gründung des Künstlerhauses zu sehen, die im Keller die Zerstörungen des Krieges überstanden haben. Und oben im ersten Stock, im großen Festsaal, hielt es kaum jemanden auf den Stühlen.
Die Münchner Nostalphoniker begeisterten mit einer Hommage an die Comedian Harmonists und bewiesen, dass man das Motto 1900 auch etwas flexibler auslegen konnte. Später am Abend versetzten die Tänzerinnen und Tänzer der Iwanson Dance School mit einem Moulin-Rouge-Medley inklusive Cancan die Gaukler zurück in die Belle Epoque in Paris.
Der Star des Abends war aber das Publikum. Da tummelten sich feine Herren in Gehrock und Zylinder, frivole Damen und züchtige Nonnen, Künstler mit Staffelei, Kartenverkäufer für die Jungfernfahrt der Titanic, Sherlock Holmes und Watson sowie jede Menge Steampunks. Flanieren, tanzen, in der eigenen Rolle aufgehen und auf der prachtvollen Treppe sehen und gesehen werden – das ist mit das Beste, was der Münchner Fasching zu bieten hat.
MARC KNIEPKAMP