Im Münchner Wahrzeichen, der Frauenkirche, soll bis Ostern eine besondere Skulptur zu sehen sein: ein Mahnmal gegen sexuellen Missbrauch. Doch Betroffene kritisieren die Aktion als „Ablenkungsmanöver“. Bei dem Mahnmal handelt es sich um ein 60 Zentimeter hohes Kunstwerk mit dem Titel „Heart“. Das Werk des Münchner Künstlers Michael Pendry sollte am Sonntagabend von Kardinal Reinhard Marx und dem Vorsitzenden des Betroffenenbeirats der Diözese, Richard Kick, enthüllt werden. Bis Ostern soll es am Altar und anschließend dauerhaft auf einer Stele in der Krypta stehen.
Die ehemalige Sprecherin des Münchner Betroffenenbeirats, Agnes Wich, begrüßt prinzipiell eine Erinnerungskultur für die Vielzahl der sexuellen Missbräuche in der katholischen Kirche. Sie kritisierte aber: „Ein Mahnmal sollte erst, wie allgemein üblich, installiert werden, wenn die Verantwortlichen dieser Kirche sich den nach wie vor immer noch zu bewältigenden Themen und Anliegen der vielen Opfer wie angemessene Entschädigungszahlungen, schonungslose Aufarbeitung, Aufhebung der Verjährungsfristen bedingungslos stellen.“
Auch die Betroffeneninitiative „Eckiger Tisch“ sieht die Aktion kritisch. Ein Mahnmal gegen Missbrauch solle „die Verantwortung der Institution für das Leid der Betroffenen benennen“, so Sprecher Matthias Katsch. „Das sehe ich in dem konkreten Kunstwerk nicht repräsentiert.“
DPA