Lasst unsere Toten in Ruhe!

von Redaktion

Untermenzing: Geothermie neben dem Friedhof – Anwohner starten Bürgerbegehren

Eine Geothermie-Anlage wie diese gewinnt Wärme aus dem Inneren der Erde. © pa

Hier soll die Geothermie-Anlage entstehen. Oben im Bild der Parkfriedhof (verdeckt von Bäumen), rechts die Mühlangerstraße.

Werfen der Stadt fehlenden Respekt vor der Totenruhe vor: die Mitglieder der Bürgerinitiative vor dem Parkfriedhof. © Bodmer (2), pa

Hat München keinen Respekt vor der Totenruhe? Das jedenfalls wirft eine Bürgerinitiative (BI) in Untermenzing der Stadt vor. Grund: Eine Geothermieanlage soll gebaut werden – und zwar direkt neben dem Untermenzinger Parkfriedhof. „In ganz Bayern gibt es keine solche Industrieanlage, die direkt an einen Friedhof angrenzt“, sagt Werner Groß. Er und seine Mitstreiter wollen das Vorhaben durch ein Bürgerbegehren verhindern.

Durch den Baulärm könne der Pfarrer während der Bauzeit keine angemessene Grabrede mehr halten, so die Befürchtung der BI. Die Stadt habe keinen Respekt vor der Trauer der Friedhofsbesucher. Doch das ist nicht der einzige Kritikpunkt. Die Anwohner befürchten Gebäudeschäden durch Erschütterungen bei den Bohrungen, ein Krebsrisiko durch austretendes Radongas und Evakuierungen vor allem der vielen älteren Anwohner, falls beim Bau Blindgänger-Raketen gefunden werden. Immerhin befindet sich das Areal nahe dem Rüstungskonzern Krauss-Maffei, der im Krieg durch Flakstellungen gegen Angriffe geschützt wurde.

Groß sieht das Areal zwischen Parkfriedhof, Pasinger Heuweg und Mühlangerstraße eher als Baulücke. Neben Wohnhäusern würden die Anwohner dort auch die zuvor noch umstrittene geplante Feuerwache akzeptieren. „Aber nicht eine so große Industrieanlage.“ Ihn stört, dass die Stadt keine anderen Standorte geprüft habe.

Die Stadt und die Stadtwerke München (SWM), unter deren Regie die Geothermieanlage entstehen soll, nehmen die Bedenken der Bürger ernst, wie es auf Nachfrage unserer Zeitung aus den zuständigen Referaten heißt. Der Vorwurf, man habe keine anderen Standorte geprüft, sei aber nicht richtig. Vielmehr habe man städtische und private Flächen geprüft und miteinander verglichen. Die SWM arbeiten mit externen Lärmschutzgutachtern. So soll sichergestellt werden, dass die strengen Lärmschutzrichtwerte insbesondere mit Blick auf den Friedhof nicht überschritten werden. Auch Gebäudeschäden seien unwahrscheinlich. Bei bislang in der Stadt umgesetzten Geothermieprojekten habe es keine derartigen Schäden gegeben, weil im Untergrund kaum tektonische Verspannungen vorhanden seien. Ebenso sei die Angst vor Radongas unbegründet, da das bei den Bohrungen erschlossene Gestein in dieser Region praktisch keine radioaktiven Elemente enthalte.

Was mögliche Bombenfunde anbelangt, verweisen die SWM darauf, dass die Flächen vorher intensiv untersucht werden. „Der gesetzlichen Pflicht, jedem Verdacht auf potenziell vorhandene Kampfmittel nachzugehen, kommen die SWM selbstverständlich nach und ergreifen entsprechende Maßnahmen, um jegliche Gefahren auszuschließen“, heißt es von den Stadtwerken.

Im Bezirksausschuss plant man eine Infoveranstaltung. Voraussichtlich am 17. März sollen im Louise-Schroeder-Gymnasium die Wogen geglättet werden. Die BI sammelt inzwischen aber bereits Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Damit es zum Bürgerentscheid kommt, wären rund 33 000 Unterschriften nötig. Eine hohe Hürde, die Groß und seine Mitstreiter bis Mai oder Juni genommen haben wollen.
ANDREAS DASCHNER

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