Riesen-Party gegen Rechts

von Redaktion

Für Demokratie: 250 000 Menschen auf der Theresienwiese

Wir sind viele: Die Münchner setzten auch mit zahlreichen, fantasievollen Plakaten ein klares Zeichen. © Lukas Barth-Tuttas/AFP

Ein großes Fest für die Demokratie und gegen Rechts: 250 000 bis 320 000 Menschen kamen zur Demo. © Sven Hoppe/dpa

Es war eine der größten Demonstrationen, die München je gesehen hat und eine Riesenparty für die Demokratie: Hunderttausende Menschen zogen am Samstag auf die Theresienwiese, um unter dem Motto „Demokratie braucht Dich“ für ein buntes, friedliches Miteinander zu stehen und gegen Rechtsextremismus und eine politische Zusammenarbeit mit der AfD zu protestieren. Der Andrang zu Füßen der Bavaria war enorm: Die Veranstalter hatten 75 000 Unterstützer angemeldet, laut Polizei kamen ab 14 Uhr bis zu 250 000 Menschen, laut Organisatoren sogar 320 000 Demonstranten. „Absolut beeindruckt“ zeigte sich OB Dieter Reiter angesichts dieser Zahlen. Die Kundgebung war Mitte Januar angemeldet worden, hatte aber wegen der aktuellen Politik für viele eine neue Dringlichkeit bekommen.

Teilnehmer schwärmten von einer entspannten Stimmung trotz des großen Andrangs. Schon die Fahrt in der U-Bahn oder der Weg zur Theresienwiese hätte wegen der vielen Menschen einer Demonstration geglichen. Viele Teilnehmer kamen auch aus umliegenden Städten wie Pfaffenhofen oder Landshut. Viele hatten fantasievolle selbst gebastelte Plakate, auf denen unter anderem stand: „Faschismus bekämpft man nicht mit Abschiebungen“, „Rassismus und Hass ist keine Alternative“, „Bunt statt braun“ oder „AfD-Verbot jetzt“. „Wir sind die Brandmauer“, immer wieder war dieser Satz zu hören.

„Wenn die Demokratie durch Rechtsextreme unter Beschuss gerät, dann braucht die Demokratie uns alle, um sie zu verteidigen“, erklärte die Münchner SPD-Stadträtin Micky Wenngatz, Vorsitzende des mitorganisierenden Vereins „München ist bunt!“. „Das Verhalten der Union entscheidet darüber, ob die AfD weiter ausgeschlossen bleibt, oder ob die Union sie wie alle anderen Parteien behandelt.“ Unterstützt wurde die Demonstration für Vielfalt, Menschenwürde, Zusammenhalt und Demokratie aus unterschiedlichen Teilen der Gesellschaft – vom Filmfest München über Einrichtungen der Kirchen und der Freien Wohlfahrtspflege bis hin zu den Fußballclubs FC Bayern und TSV 1860.

Gegen 16.30 Uhr, als immer noch Menschen Richtung Theresienwiese strömten, löste sich die Versammlung schon langsam auf. Die Polizei meldete keine Vorkommnisse, 300 Einsatzkräfte waren vor Ort. Lediglich ein defekter Schachtdeckel auf dem Gelände sorgte kurz für Aufregung und wurde von der Feuerwehr repariert.

Auch in anderen Städten in Bayern wurde gegen einen Rechtsruck demonstriert, so in Rosenheim, im oberfränkischen Hof, in Fürth, Bamberg und Würzburg. In Nürnberg versammelten sich laut Polizei 20 000 Menschen auf dem Kornmarkt. Die Union steht in der Kritik, seitdem sie im Bundestag eine Mehrheit für einen Antrag zur Verschärfung der Migrationspolitik nur mit Hilfe der AfD durchbrachte. Ein Gesetzesvorschlag scheiterte aber trotz Unterstützung durch die AfD.
SUSANNE STOCKMANN,

MILA MILKOVIC

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