Neulich ging durch die Medien, dass es im vergangenen Jahr viele Beschwerden der Post-Kunden gegeben habe – demolierte Pakete und Briefe, die nie ankamen. Da fiel mir eine humorige Geschichte ein, die mein Freund Ludwig erzählt hatte. Eines späten Abends läutete es bei ihm; er war gerade beim Kochen. Also das Küchenfenster aufgerissen und gelurt, wer da stört. „,Ach, Sie sind das!‘, hod dea Mo zu mia gsagt“, so Luggi, „und hod mia a Kuvert highoitn – a geöffnetes! I hob überrascht Dankschee firigstessen, und weg war a.“
Es stellte sich heraus, dass dieser Nachbar drei Straßen weiter wohnte, freilich mit der gleichen Hausnummer wie mein Spezi. Voreilig, womöglich auch neugierig hatte der Mann, der Ludwig anscheinend vom Sehen kannte, den Brief aufgerissen. „Ausgerechnet meine Kontoauszüge“, ärgerte sich der verständlicherweise. „Neamd in meim Viertl hod se gwundert über die Gschicht.“ Fast jeder hätte schon ein ähnliches Erlebnis gehabt: immer falsche Straße, richtige Hausnummer. „Jetzt kennt in der Nachbarschaft wirkli jeda jedn und jede“, grinste Luggi, „und des is ja a ned zwieder“.
Die Zeiten sind vorbei, als in deiner Gegend ein und dieselbe Postbotin oder derselbe Briefträger jahrzehntelang arbeiteten. Sie stellten die Korrespondenz sogar richtig zu, wenn die falsche Adresse draufstand. D Leit ham halt d Leit kennt, und manchmal ist sich ein kleiner Ratsch ausgegangen. Heute wechseln die Zustellenden schnell, und obendrein sind sie überlastet. Früher reichten ein Radl und die große Tasche vorne am Lenker, heute braucht‘s ein Elektrorad, weil noch ein riesiger Anhänger mitgezogen werden muss; die Packerl, Sie wissen Bescheid.
Dass da nicht mehr schiefgeht, ist fast ein Wunder. Aber natürlich sind manche Fehler gefährlich, vor allem bei Schreiben von Behörden, ob nun Wahlunterlagen oder Finanzamt-Mahnungen. Dass die im Briefkasten der Nachbarin landen, die gerade drei Wochen in Kur ist, oder beim Nachbarn, der acht Wochen seine Tochter in Mecklenburg-Vorpommern besucht, willst du dir nicht vorstellen.
In dem Zusammenhang denke ich an etwas, was zugegeben ein bissl unfair den Postlern gegenüber ist: an die Menschen, die unsere Zeitungen austragen. Sie sind unfassbar zuverlässig. Selbst bei widrigsten Umständen. Bei dem wilden Schneefall Anfang Dezember 2023 war ich absolut sicher, dass keine Zeitung bei mir ankommen würde, zumal ja der städtische Räumdienst versagt hatte. Als ich mich in der Früh zur Aschentonne schaufeln wollte, was steckte in den Kästen? Die Zeitungen! Ich weiß nicht, ob es in besonderen Fällen Schutzengel beziehungsweise Heinzelmännchen gibt, die für Zeitungsausträgerinnen zuständig sind; irgendwie magisch war dieser Wintereinsatz doch schon.
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