PREMIERENVORSTELLUNG

Mit Bairisch auf den Punkt – Iberl-Bühne begeistert Promis

von Redaktion

Begeisterten mit dem turbulenten Stück: Tom Mandl (v. li.), Raphaela Maier, Florian Günther und Nicola Pendelin. © Bodmer (2)

Monika Gruber macht eine Fastenkur.

Beim Bauernschach geht es darum, als Erster eine Figur über das ganze Schachbrett bis an den gegnerischen Rand durchzubringen – ohne Rücksicht auf Verluste. Anders als beim echten Schach, bei dem Partien viele Stunden dauern können, steht beim Bauernschach der Gewinner nach 20 Minuten fest. „Das ist ein Spiel für mich, weil Geduld habe ich gar keine“, sagt Kabarettist Helmut Schleich: „Jeder weiß, dass ich mich beim Schafkopfen nach 20 Minuten langweile und mir dann alles zuvor gewonnene Geld wieder abnehmen lasse, weil ich unkonzentriert werde.“

„Bauernschach“ heißt auch das Stück, das am Montagabend in der Iberl-Bühne im Augustiner-Stammhaus Premiere feierte. Und da geht es so zackig zu und wild durcheinander, dass wahrlich kein Raum für Langeweile bleibt. „Ich habe die ganze Zeit gerätselt, wie es ausgeht, und dieser Schluss ist wirklich überraschend und gut“, lobte der Liedermacher und Kommunalpolitiker Roland Hefter die Theaterchefin Raphaela Maier und den Autor Florian Günther. Letzterem ist es gelungen, ein bayerisches Volkstheaterstück zu schreiben, das spannend ist wie ein guter Krimi – und man merkte dem gelernten Schauspieler, TV- und Bühnenstar auch an, wie viel Spaß es ihm machte, selbst mitzuspielen.

Iberl-Urgestein Hansi Kraus, der in dem Stück den toten Bauern spielt, den die anderen nicht sehen können, freute sich: „Ich bin seit 20 Jahren bei der Iberl-Bühne, und das ist das erste Stück, das wahre Beifallsstürme ausgelöst hat.“ Gut, dass die Handlung so fesselnd war, dass alles andere in den Hintergrund geriet, sogar das süffige Bier und die duftenden Schmankerl vom Buffet, sonst hätte Monika Gruber vor ihrem Wasserglas noch mehr gelitten. Die Kabarettistin fastet nämlich seit einer Woche streng – vor dem Theaterabend hatte sie sich zu Hause eine Knolle Fenchel gedünstet. „In der Weihnachtszeit und danach habe ich immer mehr nach dem Motto gelebt, dass es jetzt eh schon wurscht ist, bis ich dann die ganze Völlerei satthatte“, erzählt die 53-Jährige: „Es war schon so weit, dass mir sogar Wein nicht mehr geschmeckt hat, und das heißt bei mir schon was.“

Ums Abnehmen ginge es ihr gar nicht. „Ich will wieder ein besseres Gefühl für meinen Körper bekommen“, sagt sie – und gibt zu, dass sie „alles vermisst, am meisten aber Schokolade, mal schauen, wie lange ich das durchhalte“. Landtagspräsidentin Ilse Aigner, die neben Monika Gruber saß und es sich schmecken ließ, genoss den Abend: „Ich war leider sicher mehr als zehn Jahre nicht mehr in der Iberl-Bühne, früher hatte ich mehr Zeit für die schönen Dinge als heute.“ Um so mehr freute sie sich, dass ihr ein „Termin weggebrochen“ war und sie sich deshalb das kurzweilige Stück im schönsten Dialekt ansehen konnte. „Mein bairisches Lieblingswort ist übrigens Maustodschwatzer. Das sind die Menschen, die so unendlich viel reden, ohne etwas zu sagen, und solche gibt es in der Politik genug“, sagt Aigner.

„Ganz ein gutes und sehr typisches bairisches Wort“, lobt Schauspielerin Michaela May Aigners Lieblingswort. „Der Bayer trifft es sofort auf den Punkt, wofür der Norddeutsche viele Wörter bemühen muss.“ May freut es, dass der süddeutsche Dialekt heute fernsehtauglich ist: „In meinen ersten Filmen wurde ich noch synchronisiert, weil man sich sorgte, dass mich sonst kein Norddeutscher versteht.“ Schlagerstar Patrick Lindner liebt es, niederbairische Ausdrücke einzustreuen, die er von seiner Mutter gelernt hat: „Zwergst ummi, das heißt schräg gegenüber oder querfeldein – das verstehen die wenigsten.“ Sein Lebenspartner Peter Schäfer versteht Bairisch zwar gut, aber sprechen kann er es nicht: „Das kann man als Zugereister nicht lernen.“ Sein meist verwendetes bairisches Wort ist Zefix, „das kann sogar mein kleiner Sohn schon“, gab der Comedian Simon Pierce zu. Auf Bairisch kann man gleichzeitig fluchen und loben: „Sacklzementhalleluja – was für ein wunderbares Stück“, mit diesen Worten sprach Marianne Wille (Dallmayr) wohl allen Premierengästen aus dem Herzen.
SUSANNE SASSE

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