Trauer um Münchens ersten Muskelmann

von Redaktion

Bodybuilder und Arnie-Förderer Reinhard Smolana im Alter 85 Jahren gestorben

Der erste „Mr. Germany“: Reinhard Smolana (li.), mit seinem Spezi Tomasz Radaczynski.

Smolana mit 75 in seiner zweiten Heimat Florida.

Smolana trainiert seine Kundinnen. Er hatte das erste Studio, das nur für Frauen war.

Hollywood-Star Arnold Schwarzenegger (2.v.re.) bei der Eröffnung von Planet Hollywood im Jahr 1996.

Smolana im Jahr 1965. Fünf Jahre zuvor war der Bodybuilder der erste „Mr. Germany“, er hatte sich gegen 100 Mitbewerber durchgesetzt. © Otfried Schmidt, Dietrich/Ullstein, privat

Ohne ihn hätte Arnold Schwarzenegger wohl keine Weltkarriere gemacht – weil der Münchner Reinhard Smolana ihm das Geld dafür gab, damit Arnie nach England zum Mr.-Universum-Wettkampf 1967 fahren konnte. Arnies eigener Trainer und Arbeitgeber wollte das nicht. Der spendable Konkurrent hieß Reinhard Smolana und war 1960 der erste „Mr. Germany“. Er siegte gegen rund 100 Mitbewerber beim Bodybuilding-Wettkampf im Bürgerbräukeller. Vorgestern wurde Smolana in Kelheim neben dem Grab der Eltern seiner Lebensgefährtin beerdigt. Der Urvater der deutschen Bodybuilder-Szene wurde 85 Jahre alt.

Das Geld für Arnies Karriere dürfte kein Problem für Smolana gewesen sein. In München betrieb der gebürtige Berliner seit 1961 ein eigenes, für damalige Verhältnisse mit 220 Quadratmetern riesiges Fitnessstudio, in dem unter anderem „Seewolf“ Raimund Harmstorf und Schlagersänger Roy Black schwitzten. Aber keiner so lange und ausdauernd wie Erich Janner, der hier etliche Jahre lang unter Smolanas Anleitung seine Muskeln trainierte. „Ich war sein Lieblingsschüler, wir hielten unseren Kontakt über Jahrzehnte“, sagt uns der 82-Jährige.

„Der Smole“, blickt Janner zurück, „war empathisch, ruhig, aber unheimlich überzeugend und motivierend.“ Und ein sehr guter Geschäftsmann. Sein Studio in der Schwabinger Isabellastraße 40 hatte rund 300 Mitglieder. Und: Smolana eröffnete 1972, im Jahr von Olympia in München, ein weiteres – ausschließlich für Frauen, das gab es noch nie. Smolana legte seinen Gewinn stets gut an. In Gold etwa oder in Immobilien, weiß Janner. In Florida baute er sich später ein zweites Nest. „Von Oktober bis Mai lebte der Smole in München, den Rest in Florida.“ Dort hatte er eine Parterre-Wohnung und kaufte sich später eine angrenzende hinzu.

Bis ins hohe Alter arbeitete Münchens erster Muskelmann an seinem Körper und legte großen Wert auf Disziplin. „Er war ja nach 25 Jahren 1981 nochmals zurückgekehrt und wurde bei den Über-40-Jährigen ,Mr. Germany‘“, sagt Janner. Eigentlich spielte er da schon vor allem Tennis und Golf. Wie fit Smolana war, bewies er auch mit Fotos aus Florida, die er seinem Spezl schickte: „Schau, wie gut ich noch in Form bin“, schrieb er dazu. War Doping ein Thema? „Bis Mitte der 60er gab es nur cleane Sportler, und der Smole war ohnehin ein leidenschaftlicher Verfechter eines sauberen Sports. Er ist ja selbst ohne chemische Mittel groß geworden.“ Hauptnahrungsmittel waren Milch und Quark.

Ein weiterer Weggefährte Smolanas ist Tomasz Radaczynski, der Smolana in dessen letztem Lebensabschnitt acht Jahre lang kannte. „Wir haben uns oft in der Maria-Probst-Straße auf einen Kaffee beim McDonald‘s getroffen“, erzählt der 48-Jährige. Smolana hieß eigentlich Swolana, erzählt er. „Doch weil ihn die ersten Presse-Artikel 1960 falsch geschrieben haben, blieb es bei Smolana. Ihm war das egal.“ Auf der Trauerkarte steht er aber richtig mit „Swolana“. „Ich habe 40 Jahre gebraucht, bis ich so einen korrekten Menschen getroffen habe.“ Smolana, der auch gerne boxte, sei gegenüber allen respektvoll gewesen und habe dutzende Länder bereist. „Er sagte mir mal: Tommy, ich bin in Berlin-Wedding geboren, du in München-Hasenbergl. Das ist vergleichbar.“

Zurück zu Erich Janner. Der 1. Vorsitzende des bayerischen Bodybuilding-Verbands war von Jahr eins an, seit 1961, Mitglied in Smolanas legendärem Fitnessstudio. „Bis auf seine Anfänge hat er eigentlich immer einen Schnauzer getragen“, erinnert sich unser Gesprächspartner. Also auch hier eine gewisse Disziplin.
MATTHIAS BIEBER

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