„Wir brauchen hier keine Fahrradfahrer“, meint Juwelier Süleyman Gelir. © Nick Mandel
Auch die Bayerstraße ist von den Plänen betroffen. © Visualisierung: Mobilitätsreferat
Von der Sonnen- bis zur Paul-Heyse-Straße soll die Schwanthalerstraße Radfahrstreifen bekommen.
Sehr eng für Radler und Autofahrer: die Schwanthalerstraße. © Markus Götzfried
Das Bild in diesem Abschnitt der Schwanthalerstraße ist bunt: Dicht nebeneinander drängen sich Shisha-Bars, Kioske, Imbisse und etliche kleine Läden. Seit die Stadt angekündigt hat, einen Fahrradweg auf beiden Seiten der Straße zwischen Sonnen- und Paul-Heyse-Straße zu markieren, herrscht dort dicke Luft.
Viele der Ladenbetreiber haben Angst, Kunden zu verlieren. Darunter auch Juwelier Süleyman Gelir: „Wir brauchen hier keine Fahrradfahrer. Die Autos haben sowieso schon keinen Platz und können nicht parken.“ Tatsächlich: Die Schwanthalerstraße ist eine extrem wichtige, viel befahrene Straße, vor allem während des Oktoberfests. Und auch viele der Kunden von Gelir & Co. kommen mit dem Auto. Sie stecken auch ohne Radweg schon oft im Stau oder finden dort keinen Parkplatz. Mit einem Park- und Fahrstreifen weniger sehen sich manche sogar in der Existenzkrise. „Schauen Sie nur mal in die Fraunhoferstraße! Die mussten alle dichtmachen, weil keiner mehr hinkommt“, meint Gelir.
Zurück an die Schwanthalerstraße ins Bahnhofsviertel: Familie Boztepe führt hier unter anderem ein Hotel und sieht ebenfalls Probleme auf sich zukommen: „Uns fehlen jetzt schon Parkplätze für die Gäste. Das wird dann nur noch schlimmer. Auch die Anfahrt wird erschwert“, so ihre Befürchtung.
Andere Anlieger wiederum begrüßen die neuen Pläne. Bäckereifachverkäuferin Ekaterina Aheyanko ist froh. Ihre Vorhersage: „Dann wird es leichter, die Straße zu überqueren.“ Außerdem rechnet sie mit mehr Kunden, die zu Fuß kommen.
Was steckt hinter dem Vorhaben? Die Stadt plant, Radfahrern von der Sonnenstraße bis zur Paul-Heyse-Straße mehr Platz und mehr Sicherheit zu bieten. Ihre neuen Fahrstreifen auf beiden Seiten sollen jeweils 2,30 Meter breit werden, mit einem zusätzlichen Schutzstreifen von 80 Zentimetern. Das nimmt auf der einen Seite den Platz für den Parkstreifen weg, auf der gegenüberliegenden Seite fällt ein Fahrstreifen weg. Erklärtes Ziel der Aktion ist mehr Schutz für die Radler. Zudem befinden sich hier zwei Schulen. Besonders nachmittags strömen die Kinder auf ihren Radln in alle Himmelsrichtungen.
Es wird nach Angaben des Mobilitätsreferats voraussichtlich noch bis zum kommenden Jahr dauern, bis die Bauarbeiten beginnen. Zunächst sollen die Wege markiert und mit Baken vom Autoverkehr getrennt werden. Ein komplett abgetrennter Fahrradweg wird aber noch mehrere Jahre lang nicht realisierbar sein. Grund: Aktuell gibt‘s schon mehrere Großbaustellen entlang der Straße.
Die Kosten für die Radwege werden auf zwei bis drei Millionen Euro geschätzt. Darin enthalten sind auch Fahrbahnsanierungsmaßnahmen. Das Referat räumt ein, dass Parkplätze für den privaten Verkehr wegfallen werden, verweist aber auf die Parkhäuser in der Gegend. Vorgesehen sind auch neue Taxistände, Haltestellen für Reisebusse und Parkmöglichkeiten für Wirtschaftsverkehr.
Die Meinungen sind also gespalten, auch in der Politik: Die CSU beklagt die hohen Kosten, während die Grünen die Schutzfunktion des Weges unterstreichen. Was die Radweg-Lösung bringt, wird die Praxis zeigen.
NICK MANDEL