Werden Fahrer in der Tempo-30-Zone mit 50 km/h geblitzt, droht ein Bußgeld von 70 Euro. (Symbolbild) © Imago
Die Stadt rüstet auf im Kampf gegen Raser. Bald sollen zwei neue Blitzer-Anhänger in Betrieb gehen. Aktuell sei noch unklar, wann sie zur Verfügung stehen, erklärt eine Sprecherin des Kreisverwaltungsreferats (KVR) auf Anfrage. Man hoffe auf das zweite Quartal, also ab April. Bis dahin blitzt die Kommunale Verkehrsüberwachung (KVÜ) mit anderen Methoden. Aber nicht nur die Stadtverwaltung blitzt, sondern auch die Polizei. Und die hat allein 2024 fast 180000 Raser erwischt.
„Schwerpunktmäßig“, so die KVR-Sprecherin, kontrolliere die KVÜ bei Tempo 30, darüber sei die Polizei zuständig. Die KVÜ hat demnach rund 900 Straßen im Blick, besonders nahe Schulen oder Senioren-Einrichtungen. Mit den von der KVÜ dokumentierten Tempo-Verstößen hat die Stadt im vergangenen Jahr 3313644 Euro eingenommen. 2023 waren es mit 2362934 Euro deutlich weniger.
Zum Messen nutzt die KVÜ bisher weder Messanhänger noch Säulen-Blitzer – wie am Frankfurter Ring – oder Laser-Pistolen. Gemessen wird an einem festen Blitzer an der Tegernseer Landstraße sowie mit acht Kastenwagen mit im Kofferraum installierter Technik.
Die neuen Anhänger werden in Zukunft für die Messungen geparkt und danach wieder abgeholt. Sie werden laut KVR aus mehreren Gründen angeschafft. Demnach können sie „vor Ort automatisch ohne Personal betrieben werden“, das entlaste. Zudem seien Messungen rund um die Uhr möglich. „Gerade für die Nachtzeiten gibt es stadtweit Beschwerden über Lärm durch Autoposer und Raser.“ Mit den Messanhängern könne die KVÜ zudem schnell reagieren – etwa, wenn sich eine Baustelle als Unfallschwerpunkt herausstellt.
Die 179946 polizeilich erfassten Tempoverstöße 2024 hatten übrigens 50862 Anzeigen, 3938 Fahrverbote und 126747 Verwarnungen zur Folge. Am schnellsten – mit technischem Gerät gemessen – war ein Audi-Fahrer (44). Er war mit 186 km/h unterwegs – bei erlaubten 80. Die Beamten überwachen das mit mobilen Tempo-Messstellen sowie mit Handlasergeräten. Fest installierte Blitzer gibt es im Richard-Strauss-, Petuel- und Luise-Kiesselbach-Tunnel, auf der Landshuter Allee „sowie im weiteren Stadtgebiet verteilt“, so die Polizei. Die Blitzer mit der höchsten Quote seien „vorwiegend die stationären Überwachungsanlagen“, da diese immer in Betrieb sind. Der Kasten zeigt, wie welcher Verstoß bei Fahrzeugen bis 3,5 Tonnen geahndet wird.
Aber sollte man Bußgeldbescheid und Co. einfach so hinnehmen? „Ein Einspruch empfiehlt sich, wenn Punkte in Flensburg drohen“, sagt Albert Cermak, Fachanwalt für Verkehrsrecht. „Die meisten Raser erheben Einspruch ab 31 Stundenkilometer drüber innerorts.“ In dem Fall droht auch ein einmonatiges Fahrverbot. Cermak weist aber auch darauf hin, dass es für einen erfolgreichen Einspruch oft ein Gutachten braucht. „Und das kostet. Man sollte also zwischen Kosten und Nutzen abwägen.“
Auf einem Blitzerfoto muss der Fahrer eindeutig identifizierbar sein, etwa anhand bestimmter Gesichtsmerkmale wie Nase, Mund oder Augenbrauen. Und natürlich muss es das Kennzeichen zeigen.
Cermak kennt auch kuriose Fälle. Ein Mandant war mit seinem schwerbehinderten Bruder unterwegs. Unter der Fahrt erlitt der Bruder Atemnot, bekam einen Anfall und hatte seine Medikamente nicht dabei. „Den Rettungsdienst zu rufen, hätte in seinem Zustand zu lange gedauert“, erzählt er. „Deswegen ist er sehr schnell nach Hause zu dem Bruder gefahren und war außerorts viel zu schnell unterwegs.“ In dem Fall habe er das dreimonatige Fahrverbot wegen der Notsituation angefochten. „Er musste dann nur eine Geldbuße zahlen.“
Für Verstöße im fließenden Verkehr – etwa beim Rasen – wird der Fahrer zur Verantwortung gezogen. Bei Mängeln am Fahrzeug oder beim Falschparken kann laut Polizei aber auch der Halter haften.
REGINA MITTERMEIER