Anmarsch zur Rasier-Razzia

von Redaktion

Zoll kontrolliert die Barbershops und Friseure

Gestern Vormittag im Bahnhofsviertel: Zollbeamte sind auf dem Weg zur nächsten Mindestlohn-Kontrolle – auch in Barber-Shops. © Markus Götzfried, imago

Sie kontrollierten Barber-Shops, Friseurläden oder Nagelstudios. Immer mit der Frage: Stimmt die Kohle?

Der Zoll hat gestern in ganz München rund 90 Betriebe überprüft – vielen davon im Friseurgewerbe. Laut Sprecher Thomas Meister waren mehr als 100 Beamte des Hauptzollamts in ihren dunkelblauen Uniformen im Einsatz. „Wir waren im gesamten Stadtgebiet unterwegs. Dabei haben wir überprüft, ob der gesetzliche Mindestlohn eingehalten wird – und haben gleichzeitig auch die Einhaltung branchenspezifischer Mindestlöhne überprüft.“ Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland beträgt seit Jahresanfang 12,82 Euro – also 41 Cent mehr als noch im vergangenen Jahr.

In München startete die Rasier-Razzia gegen 9 Uhr in den Straßen rund um den Münchner Hauptbahnhof. Dort gibt es besonders viele Barber-Shops und Friseure. Die Zollbeamten wurden bei ihren Kontrollen von einer Vertreterin der Mindestlohnkommission begleitet. Meister: „Wir haben Mitarbeiter nach ihrem Beschäftigungsverhältnis befragt, wie viel sie verdienen und wie lange sie arbeiten – und da soll dann der Mindestlohn dabei rauskommen.“

Alarmierend: Genau das war in vielen Betrieben überhaupt nicht der Fall! Gegen 13 Uhr meldete Thomas Meister: „Stand jetzt haben wir in rund jedem vierten Betrieb einen Verstoß festgestellt.“

Zu diesem Zeitpunkt kontrollierten die Ermittler Geschäfte im Stachus-Einkaufszentrum. Gegen 16 Uhr waren die Kontrollen beendet. Münchner Barber-Shops sind schon seit Monaten im Visier der Behörden und der Handwerkskammer München und Oberbayern. Denn: Barber-Shops, die nicht nur Bärte stutzen, sondern auch Friseur-Leistungen anbieten, müssen einen gelernten Meister als Eigner oder Betriebsleiter haben. Das schreibt das Gesetz vor.

Diese Pflicht kontrollieren Kreisverwaltungsreferat und die Handwerkskammer seit Wochen regelmäßig. Die Bilanz der Meister-Prüfung bisher: haarsträubend! Ende Februar hatte die Handwerksammer rund 30 Betriebe überprüft. Der Kammer-Sprecher Jens Christopher Ulrich sagte damals: „Bei der großen Mehrzahl der kontrollierten Betriebe wurden handwerksrechtliche Verstöße festgestellt.“ Keine Kleinigkeit: Im schlimmsten Fall droht ihnen die Schließung.

Die gestrigen Zoll-Kontrollen hatten damit nichts zu tun – eigentlich. Laut Sprecher Meister fanden die schwerpunktmäßigen Kontrollen im ganzen Bundesgebiet statt: „Wir tun das also unabhängig vom KVR und der Handwerkskammer.“ Bei Barber-Shops und Friseuren kontrollierte der Zoll trotzdem die Meister-Pflicht – wenn man schon mal da ist. Thomas Meister: „Wir prüfen das mit und melden es im Bedarfsfall weiter.“
THOMAS GAUTIER

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