ÖPNV-PROJEKT ENGLISCHER GARTEN

Bayern prüft Tram-Tunnel und will eine neue Machbarkeitsstudie

von Redaktion

Die Staatsregierung möchte die Tunnelplanung am Isarring durch den Englischen Garten wieder aus der Versenkung holen. CSU und Freie Wähler haben dazu eine Machbarkeitsstudie beschlossen. Fahren sollen dann unter der Erde sowohl Autos als auch die Tram. Grüne und auch SPD im Münchner Stadtrat kritisieren das Projekt.

Neu ist die Idee nicht, sie fußt auf dem Engagement der Architekten Herrmann Grub und Petra Lejeune, die sich seit Jahrzehnten für einen Tunnel einsetzen. Dies hat vor allem den Hintergrund, den Englischen Garten wieder zu vereinigen. Denn bislang durchschneidet der Isarring den weithin bekannten Park.

Zunächst hatten die beiden Schwabinger das Tunnelprojekt lediglich für den motorisierten Individualverkehr vorgesehen. Geplant waren drei Spuren pro Richtung – zwei Fahrspuren und eine Einfädelspur. Der Stadtrat hatte das Projekt 2017 genehmigt, dann aber 2020 wieder einkassiert. Begründung: Hunderte Bäume müssten gefällt werden. 2022 wurde die Tunnelidee ganz begraben. Denn: Grüne und SPD lehnten es ab. Begründung: Hunderte Bäume müssten gefällt werden.

Zwei Jahre später holten FDP, Bayernpartei und der Münchner Landtagsabgeordnete Robert Brannekämper die Pläne für den 400 Meter langen Tunnel wieder hervor – allerdings mit dem Zusatz, in dem einstigen Autotunnel auch eine Tramlinie zu situieren.

Auch das hat einen Hintergrund, allen voran Brannekämper ist nämlich kein Freund der bisherigen Planungen für die Tram Nordtangente, die ursprünglich von der Thiemestraße an auf einer Trasse durch den Englischen Garten hätte geführt werden sollen. Und obwohl die Tram an dieser Stelle auf Oberleitungen hätte verzichten können, hatte die Staatsregierung als Eigentümerin des Englischen Gartens die Planungen nach langem Hin und Her final eingestellt, weil der Eingriff in den Park als zu groß erachtet wurde.

Dass der Freistaat nun Geld in eine Studie stecken will, sei unnötig teuer und nicht umsetzbar, schreiben die Grünen. Bei einer Trassenführung über den Isarring wäre die Route der Tram nicht nur unlogisch, sondern auch mit gravierenden Umbauten verbunden. „Mit ihrer ignoranten Haltung blockiert die Söder-Regierung eines der wichtigsten Trambahnprojekte für die Münchner“, sagt Grünen-Stadtrat Florian Schönemann. Die Planungen für die Nordtangente seien fertig. „Sie würde eine wichtige Querverbindung zwischen Neuhausen und Bogenhausen ermöglichen. Doch die CSU ist stur.“

Die Tram durch den Englischen Garten war machbar und finanzierbar – doch die CSU hat sie verhindert, schimpft auch SPD-Verkehrsexperte Nikolaus Gradl. „Jetzt ein Planungsmonster aus dem Hut zu zaubern und erneut Geld für Studien zu verpulvern, ist absurd.“ Die CSU freilich verteidigt den Vorschlag der Staatsregierung. Stadträtin Veronika Mirlach: „Der Park wäre wiedervereinigt und der Verkehr samt Tram unter die Erde verlagert.“
SASCHA KAROWSKI

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