Fälscher-Alarm beim Führerschein

von Redaktion

Betrug mit Erste-Hilfe-Kursen: 51 Fälle

Die Führerscheinstelle des Kreisverwaltungsreferats an der Garmischer Straße. © Oliver Bodmer

Für viele Fahrschüler ist die Prüfung hinterm Steuer die größte Hürde. Offenbar ist aber auch schon der Weg dafür eine Herausforderung. Groß genug, um zu betrügen. Wie jetzt bekannt wurde, sind bei mehreren Fahrerlaubnisbehörden – darunter auch bei der Führerscheinstelle des Kreisverwaltungsreferats – 51 gefälschte Bescheinigungen über Erste-Hilfe-Kurse eingereicht worden. Heißt: Prüflinge taten so, als hätten sie einen Kurs besucht und reichten entsprechende Dokumente ein, die aber gar nicht echt waren.

Die fingierten Dokumente wurden laut Polizei über eine Fahrschule im Münchner Osten vorgelegt. „Es wurde ein Ermittlungsverfahren geführt bezüglich gewerbsmäßiger Urkundenfälschung“, sagt ein Fahnder vom Kommissariat 34 (organisierte Kriminalität). Zwei Männer (beide 45 Jahre, irakische Staatsangehörige) stehen im Verdacht, den Betrug eingefädelt zu haben, darunter ein Mitarbeiter der Fahrschule. Der andere Mann soll die Fahrschüler vermittelt haben. Die Männer sollen für die Fälschungen jeweils bis zu 100 Euro verlangt haben (regulärer Kurspreis: ca. 60 Euro). Bei der Durchsuchung der Wohnungen der Männer fand man leere Erste-Hilfe-Bescheinigungen.

Die Polizei nennt „fehlende Deutschkenntnisse“ als Motiv der ausländischen Schüler. Sie hätten wohl mit den gefälschten Bescheinigungen den Erste-Hilfe-Test umgehen wollen. Gegen alle 51 Fahrschüler und die beiden Strippenzieher wurde Strafanzeige erstattet.

Die Polizei kam „im Rahmen anderweitiger Ermittlungen“ auf die Spur der illegalen Machenschaften in einem Prozedere, das regulär wie folgt abläuft: Der Fahrschüler stellt beim KVR einen Antrag auf Fahrerlaubnis und muss dafür Unterlagen übermitteln – darunter auch die Erste-Hilfe-Kurs-Bescheinigung. Zwischen März 2023 und März 2024 seien bei der Überprüfung von über 500 Erste-Hilfe-Bescheinigungen 51 Fälschungen erkannt werden. „Es gab eine Blanko-Bescheinigung eines privaten Sanitätsdiensts, die vorausgefüllt war – gleiches Datum, gleicher Betrag, gleiche Unterschrift. Bloß eine andere Personalie“, so der Polizeisprecher. Er betont, dass der Sanitätsdienst nichts damit zu tun habe.

Neben Fahrerlaubnisbehörden in Landkreisen fand man etwa ein Viertel der gefälschten Unterlagen bei der Führerscheinstelle in München – nicht das erste Mal, dass es um Fälschungen beim KVR geht. Nach Ärger um gefälschte Unterschriften auf Führerscheinen mit Verantwortlichen aus den eigenen Reihen 2024 muss sich die Behörde jetzt mit eingeschleusten Fälschungen befassen.
D. POHL

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