Ganz unten

von Redaktion

Besuch auf Deutschlands tiefster Baustelle am Marienhof

Reinhold Boiger leitet die Bau-Arbeitsgemeinschaft und führte durch die Baustelle. © Yannick Thedens

Etappenziel erreicht: Bei der 2. Stammstrecke am Marienhof hinter dem Rathaus sind die Bauarbeiter jetzt unten angekommen. Mit 44 Metern Tiefe ist es aktuell „die tiefste Baustelle Deutschlands“, sagt Reinhold Boiger, der die Arbeitsgemeinschaft der Baufirmen leitet. Für die Anwohner ist eine Erleichterung in Sicht. Die Zahl der derzeit bis zu 90 Lkw, die Aushubmaterial von der Baustelle abtransportieren, dürfte sich in vier Wochen „deutlich“ reduzieren, schätzt Boiger.

Unten in der Baugrube steht Boiger in einer Fußballplatz-großen Halle, 100 Meter lang, 50 Meter breit. Der Untergrund ist sandig-tonig, ein „bindiges Material“, wie Boiger sagt. Das heißt: Es lässt sich gut abbaggern. Hier wird später der S-Bahnhof Marienhof entstehen. Allerdings muss dafür an beiden Enden noch je 60 Meter ausgeschachtet werden, damit die gut 200 Meter langen Bahnsteige hineinpassen. Das wird 2027 geschehen.

Über sechs Ebenen führen mehrere Metalltreppen und Aufzüge nach unten. Auf Ebene -3, also dem dritten unterirdischen Stockwerk auf gut 27 Metern Tiefe, wird ein Verbindungsstollen in Richtung Rathaus gebohrt. Von hier aus sollen später Zugänge zur U3/6 führen. 27 der insgesamt 96 Meter des Stollens sind schon ausgeschachtet. Das geschieht unter Druckluft, erklärt Robert Listl von der DB. Die Arbeiten finden unter 0,4 Bar Überdruck statt – das entspricht etwa einem Tauchgang in vier Metern Tiefe. Die Arbeiter müssen sich in Schleusen akklimatisieren, jeweils 10 bis 15 Minuten dauert es, bis sich der Körper an die unterschiedlichen Druckverhältnisse anpasst. Alle Fahrzeuge innen drin laufen mit E-Antrieb. Stolz sich die Bauleute von Marienhof auf den ersten 18-Tonnen-Elektro-Radlader von Volvo, der seit Kurzem bei ihnen ist.

Das große Ganze ist noch in weiter Ferne. Nach offiziellen Angaben soll die 2. Stammstrecke Ende 2036 fertig sein.
DIRK WALTER

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