Gestern in München: Khaki S. (33) wird der Prozess gemacht. Rechts sein Anwalt Marc Wederhake. © Sigi Jantz
Im feinen Hemd sitzt er auf der Anklagebank. Khaki S., 33 Jahre alt und dunkle Haare, ist sportlich und groß gewachsen. Im Internet hatte er mit etlichen Frauen angebandelt und landete immer wieder Flirt-Erfolge. Doch hinter der Masche des Schönlings soll ein brutaler Kerl stecken: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Iraker Vergewaltigung in zwei Fällen vor. Gestern kam es zum Prozess am Landgericht.
Dort zeigte sich Khaki S. wenig beeindruckt von der Anklageschrift: Aufrecht und entspannt hört er zu, wie die schlimmen Vorwürfe auf Saal B 162 gegen ihn verlesen werden. Im Februar 2019 soll er Teile seiner Wohnung in der Chiemgauer Straße über die Plattform Airbnb an zwei Frauen vermietet haben. Als eine der beiden schlief, schlich er sich ins Zimmer und vergewaltigte sie laut Staatsanwaltschaft. Die Frau wehrte sich aber erfolgreich und zeigte den 33-Jährigen später an.
Im November 2021 soll es zum nächsten Vorfall gekommen sein. Über das Dating-Portal Tinder verabredete sich Khaki S. mit einer Frau beim Italiener. Dort küssten sich beide, gingen danach in seine Wohnung. Laut Anklage wollte die Frau keinen Geschlechtsverkehr, Khaki S. soll sie aber hartnäckig bedrängt haben. Den Ermittlungen zufolge ließ er schließlich von ihr ab, drohte aber: „Das lasse ich dir nur heute nochmal durchgehen.“ Am nächsten Morgen soll es dann auf sein Drängen hin zunächst zum einvernehmlichen Sex gekommen sein. Später soll S. die Frau dann aber noch brutal vergewaltigt haben.
Zu den schweren Vorwürfen äußerte sich Khaki S. gestern nicht. „Mein Mandant macht von seinem Recht zu schweigen Gebrauch“, sagt sein Verteidiger Marc Wederhake. In dieser Konstellation wird es vor allem auf die Aussage der beiden Frauen ankommen, die den Iraker unabhängig voneinander schwer belasten. Dafür wurde die Öffentlichkeit jedoch ausgeschlossen.
An vier weiteren Tagen wird der Fall verhandelt, bis Richter Nikolaus Lanz am 16. April sein Urteil sprechen will. Khaki S. drohen laut Gesetz bis zu zehn Jahre Haft wegen der angeklagten Vergewaltigungen.
ANDREAS THIEME