Bleibt ganz entspannt: Urax vom Paradies genießt die Sonne.
18,36 Euro beträgt der Rundfunkbeitrag im Monat. Den sollte Jagdhund Urax von Jutta Zedelmaier auch zahlen. © Marcus Schlaf, privat
Urax vom Paradies hat viele Kinder. Und eine eigene Homepage. Aber eins hat er nicht: einen Fernseher. Ist ja auch klar: Er ist ein Hund.
Trotzdem bekam der Ungarisch Kurzhaar (9 Jahre alt) jetzt Post vom Beitragsservice von ARD und ZDF – der ehemaligen GEZ. „Sie erhalten heute Post von uns, weil unter Ihrer Anschrift für die Betriebsstätte bisher kein Rundfunkbeitrag gezahlt wird“, stand im Schreiben vom 17. März.
Auf einem Fragebogen sollte Urax dann Angaben zu seiner Betriebsstätte machen. Ob er Rundfunkgeräte hat. Oder ein Auto – wegen des Autoradios. Eine Routine-Anfrage des Beitragsservice. Doch beim Jagdhund waren sie da auf der falschen Fährte.
Dass Urax für die Öffentlichen zahlen soll – vielleicht gar für Katzen-Dokus – liegt wohl an seiner Homepage, sagt seine Besitzerin Jutta Zedelmaier. „Urax war ein Deckrüde, doch heute ist er dafür zu alt.“, sagt die Münchner Juristin. „Ich wollte erst die Webseite über ihn abschalten, hab‘s dann aber doch gelassen und einfach den Text geändert.“
Doch die Seite hat ein Impressum, und dort steht Zedelmaiers Adresse. „Der Beitragsservice hat wohl Adressen gekauft, um solche Briefe zu verschicken.“ Sie antwortete der Behörde per Einschreiben: „Mein Hund Urax vom Paradies hat mir glaubhaft versichert, keine Firma und /oder Betriebsstätte zu betreiben und weigert sich deshalb auch, einen Rundfunkbeitrag zu zahlen“, schrieb sie mit Augenzwinkern. „Sein einziger Arbeitsplatz ist sein Jagdrevier und dieses ist ganz ohne jede Anbindung an Rundfunk und Internet. Ein Kfz besitzt Urax ebenfalls nicht mangels Führerschein.“
Urax ist nicht der einzige Hund, der Post von ARD und ZDF bekommt. Vor Kurzem bekam auch Deutsch Langhaar Nanuk vom Veybach aus Mechernich (Nordrhein-Westfalen) das gleiche Schreiben – übrigens auch ein Deckrüde mit eigener Webseite. Genau wie Urax.
Wie ist der Beitragsservice diesmal auf den Hund gekommen? Ein Sprecher sagt auf Anfrage, man habe die Adresse von einem Adresshändler übermittelt bekommen. „Da der Adresssatz neben dem Hundenamen auch den Namen von Frau Zedelmaier enthielt, ist die Sachbearbeitung davon ausgegangen, dass es sich um eine reguläre Adresse handelt.“
Solche Adressenanmietungen seien ein „regulärer Vorgang und vom Gesetzgeber auch so vorgesehen“, so der Sprecher. „Ziel ist es, im Sinne der Beitragsgerechtigkeit auch Unternehmen und Institutionen an der Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu beteiligen.“
Ein Versehen also. Der Sprecher betont: „Einen Rundfunkbeitrag muss der Vierbeiner selbstverständlich nicht entrichten.“ Die Anschrift sei mittlerweile gesperrt worden. „Der Hund von Frau Zedelmaier sollte damit nicht mehr von uns angeschrieben werden.“
THOMAS GAUTIER