Es ist nur eine Frage der Zeit bis in der Wörthstraße der erste Radlfahrer mit einem gemischten Salat oder einer Kugel Eis „dekoriert“ wird. Mit meiner Versicherung muss ich demnächst auch Rücksprache halten, wer eigentlich die Verantwortung trägt, wenn ich zum Beispiel mit meiner Freundin Steffi vor dem Café Voila beim Frühstück sitze und ich mit ausgetrecktem Arm deute und just in diesem Moment ein Radler vorbeischießt und entweder er an meinem Arm, oder mein Arm an ihm hängen bleibt. Das wird dann versicherungstechnisch erst zu diskutieren und später zu beweisen sein, wer für eventuelle Behandlungskosten aufkommen muss. Das hat Konfliktpotential.
Vielleicht werden wir auch eine neue Art von Service zu sehen bekommen, wenn es für das Personal zu gefährlich wird, den Gehweg zu betreten. Wird man dann vielleicht Speis und Trank aus den Fenstern reichen? Oder es wird in unkaputtbarem Geschirr mit Deckel serviert, falls es doch zu einer Kollision kommt? So lustig sich das hier anhören mag, so ernst ist es aber in Wirklichkeit. Man sitzt gemütlich beisammen, isst und trinkt, und dann ist man fertig – und wer denkt schon beim Aufstehen und beim Verabschieden und Umarmen daran, wenn man um den Tisch herum geht, dass in dem Moment ein Radler (nicht das im Glas) daherkommt? Vielleicht ein kleiner Rückspiegel für den Oberarm?
Ein paar Meter weiter, holt man sich ein Eis in der Waffel oder im Becher, man dreht sich um und ist auf der Suche nach einem freien Platz auf der Bank am Baum und erspäht einen, macht einen Schritt darauf zu und schon liegt der süße, nicht ganz billige Spaß auf der Straße. Der Einzige der sich darüber freut ist der kleine Dackel, welcher das Eis schneller gefressen hat, als ich mich bücken kann. Für ihn ist sowohl dieses Malheur, als auch die Radl-Umleitung eine wahre Freude.
Da kann man nur – wieder einmal mehr – an den gesunden Menschenverstand appellieren und die Radfahrer bitten, dass sie ohne Ausnahme die paar Meter ihr Fahrrad schieben. Man könnte auch die Stadtwerke dazu anregen (oder wer auch immer dafür verantwortlich zeichnet) noch einmal zu überdenken, die Radfahrer doch auf der Straße fahren zu lassen. Durch die Baustelle fahren die Autos ja sowieso schon langsamer, da machen dann die Radfahrer das Kraut auch nicht mehr fett. Apropos, das könnte natürlich auch zu unangenehmen Verletzungen führen, wenn man aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit – auf dem Gehweg gilt doch wohl Schritttempo, oder? – Würstl mit Kraut ins Antlitz bekommt. Da bekommt rad-ikal doch gleich eine andere Bedeutung.
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