Natürlich: Ein Irrtum soll gewesen sein, dass Jagdhund „Urax vom Paradies“ aus Bogenhausen Post von ARD und ZDF bekommen hat. Und natürlich muss Urax — anders als in dem Schreiben angemahnt — keine Rundfunkgebühren zahlen.
Wer’s glaubt…
Vielleicht war es ja ein Test. Ein Versuchsballon, um herauszufinden, wie eine Beitragspflicht für Haustiere in der Öffentlichkeit ankäme. Frei nach dem Motto: Wenn die Politik keine Gebührenerhöhung will, müssen wir eben den Kreis der Beitragszahler kreativ erweitern. Abgesehen davon, dass ich mir die Kreativität eher bei der Programmgestaltung gewünscht hätte: Ich wäre dafür. Die Viecherl schauen ja mit – und wie!
Miezi, die Katze meiner Nachbarin, wird immer ganz wepsig, wenn auf dem Bildschirm andere Katzen zu sehen sind oder ein „Miau“ aus dem Lautsprecher dringt. Hunde, Pferde, Elefanten und andere Bildschirm-Besucher würdigt sie keines Blickes. Alex dagegen, der Dackel meines Spezls Rudi, liebt Naturdokus aller Art. Wenn er in seinem Körbchen schläft und mit der Schwanzspitze zuckt, träumt er wahrscheinlich davon, an der Seite von Bernhard Grzimek durch die Savanne zu streifen.
Und das ist nur das, was wir wissen. Wer ahnt schon, was Miezi und Alex mit der Fernbedienung machen, wenn ihre Besitzer außer Haus sind?
Nun könnte man argumentieren, Hund und Katz könnten zwar vor dem Fernseher sitzen, seien aber intellektuell nicht imstande, zu begreifen, was sie da sehen. Dünnes Eis! Schließlich prahlen Haustierhalter bisweilen hemmungsloser als jeder Angler mit den Fähigkeiten ihrer Lieblinge. Rudi beispielsweise unterhält sich gern mit seinem Alex und schließt bei Themen, die nicht für dessen Schlappohren bestimmt sind, schon mal die Tür. Denn Alex, davon ist Rudi überzeugt, versteht jedes Wort. „Wirklich je-des Wort!“ Und Miezi kann nicht nur mit ausgestreckter Pfote und eingezogenen Krallen „High five“ geben, sondern auf Kommando ihrer stolzen Besitzerin noch ein paar weitere Kunststückchen vorführen. Wahrscheinlich hätte sie spätestens im dritten ihrer sieben Leben auch die Relativitätstheorie entwickelt, wäre Einstein ihr nicht zuvorgekommen. Immerhin: Zum Öffnen der Katzenklappe reicht’s. Und das ist, bei Licht betrachtet, ziemlich genau der intellektuelle Horizont, auf den ein Teil des Fernsehprogramms zusteuert. Die Beitragspflicht für Haustiere scheint von langer Hand geplant.
An den Kosten wird’s nicht scheitern. Urax hat in seinem Berufsleben als Deckrüde mehr als genug verdient, um sich einen Lebensabend vor dem Fernseher leisten zu können. Und mittellose Genies wie Miezi haben ja Herrchen oder Frauchen. Ein Blick in die Tiernahrungs-Regale im Supermarkt zeigt, dass denen nichts zu teuer ist.
Demnächst sollen übrigens Talkshows tierkompatibel werden. Wir freuen uns auf die Formate Markus Schwanz, Anne Bell, Jan Dobermann, Sandra Miezberger und, fürs gefiederte Publikum, Frank Elster.
Ich werde sie mir alle ansehen. Vielleicht muss ich dann statt Einkommensteuer künftig nur noch Hundesteuer zahlen.
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