Die Kinder brauchen geeignete Flächen. © privat
Sucht eine neue Heimat: Roland Pichler vom Waldkindergarten Kallamatsch. © Schmidhuber
Zum September 2026 wurde dem Waldkindergarten Kallamatsch vom Studierendenwerk München Oberbayern der Mietvertrag des Grundstücks in der Willi-Graf-Straße gekündigt. Der Platz werde zukünftig für Stellplätze benötigt, weshalb der Kindergarten mit seinen Bauwägen weichen muss, heißt es. Von anderer Seite hörte Roland Pichler, Vorstand des Kindergartens, jedoch, die Stadion-Pläne des angrenzenden MTTC Iphitos seien der Grund.
„Grundsätzlich sind es zwei Themen, die die Standorterlaubnis unseres Kindergartens betreffen,“ so Pichler. Einerseits werde das Grundstück vom Studierendenwerk vermietet. Andererseits erteile die Stadt die Baugenehmigung für die Bauwägen des Kindergartens – laut Pichler „immer auf fünf Jahre befristet, dieses Mal aber nur für zweieinhalb, nämlich bis März 2027“. Das Studierendenwerk begründet die Kündigung mit „anstehenden Bau- und Sanierungsmaßnahmen in der Studentenstadt“ und des dafür erforderlichen Stellplatznachweises. Die verkürzte Baugenehmigung der Stadt sei dagegen bisher nie begründet worden, so Pichler. „Die haben sich immer nur auf das Studierendenwerk hinausgeredet.“
Auf Anfrage erklärt das Planungsreferat, dass die Baugenehmigung grundsätzlich immer an die Bedingung geknüpft sei, dass das Studierendenwerk das Grundstück nicht benötigt. Zum Zeitpunkt der verkürzten Baugenehmigung habe das Planungsreferat jedoch noch gar nichts von den Plänen des Studierendenwerks gewusst. Stattdessen sei die zweieinhalbjährige Genehmigung nur für den nördlichen Bauwagen deshalb ausgestellt worden, damit diese zeitgleich mit der des südlichen Bauwagens ablaufe. So könne man zukünftig beide Bauwägen zusammen bewerten, auch mit Blick auf die Planungen rund um das neue Tennis-Stadion des MTTC Iphitos – einem Herzensprojekt des Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), der bei den letztjährigen BMW-Open angekündigt hatte, dass der Freistaat 50 Prozent der Kosten übernehmen werde.
So sieht Christian Hierneis, Lantagsabgeordneter der Grünen, den Kindergarten aktuell durch das geplante Stadion gefährdet, da dort die Baustellenzufahrt vorbeiführen würde. Für Bauvorhaben in der Studentenstadt habe „der Freistaat kein Geld zur Verfügung gestellt“ – und auch dem Studierendenwerk fehlten seiner Meinung nach die finanziellen Mittel dafür. Die Staatsregierung antwortete jedoch jüngst auf eine Anfrage von Hierneis, dass weder der Stadionbau noch die geplanten Nachverdichtungsmaßnahmen in der Studentenstadt „ursächlich für die Kündigung“ des Kindergartens seien.
Klar ist: Der Waldkindergarten muss einen Alternativstandort finden, die Suche war jedoch bisher vergeblich, so Pichler – „zumal es für einen Waldkindergarten innerstädtisch schwierig ist, einen Platz zu finden.“ Nun hoffe er auf die Unterstützung der Stadt. Der Bezirksausschuss (BA) Schwabing-Freimann fordert indessen die Stadt per Eilantrag auf zu prüfen, ob der Waldkindergarten seine Bauwägen „auf dem Grundstück der Osterwaldstraße zwischen Hausnummer 144 und 150 aufstellen“ kann. Die Behörden werden gebeten, „schnell zu handeln und wohlwollend zu prüfen.“
VINCENT NUMBERGER