Am Vormittag ist im Einkaufszentrum Forum Schwanthalerhöhe wenig los. Dafür füllt es sich neuerdings am Nachmittag. Im Obergeschoss gibt es statt Läden jetzt Monster-Jagden mit VR-Brillen (o. re.), Sport (u. re.) und Karaoke. © Marcus Schlaf (3)
Trampolinspringen oder virtuelle Monsterjagden gehören eigentlich nicht zu den Aktivitäten, die man üblicherweise in einem Einkaufszentrum unternimmt. Doch genau so will das Forum auf der Schwanthalerhöhe neue Besucher gewinnen. Dort ist die Umgestaltung zu einem multifunktionalen Freizeitparadies in vollem Gange. So kann man auch bis 22 Uhr abends noch den Neon-Indoor-Minigolfplatz und eine Karaoke-Bar nutzen.
Nachdem viele Ketten wie der Schuhhändler Reno oder die Modekette Orsay in den vergangenen Jahren Insolvenz anmelden mussten, hatte das Shopping-Center mit einigem Leerstand zu kämpfen. Auch die großen Läden von Decathlon und Saturn verabschiedeten sich vom Standort und die vielen Baustellen taten ein Übriges. Center-Manager Vladimir Tinchev musste deshalb über eine Neuausrichtung nachdenken und nahm sich ein Beispiel an amerikanischen Shopping-Malls. „Für ein Einkaufszentrum gibt es nichts Schlimmeres als leere Flächen. Mit unserem neuen Konzept haben wir das dritte Geschoss komplett zur Erlebnis- und Freizeit- und Fitnessebene umgewandelt.“
Ein weiterer Mehrwert sei, dass man ein ganz anderes Publikum erreiche: Familien, die den Kindergeburtstag in der virtuellen Spielewelt feiern, oder Firmen, die als Team-Building-Events gemeinsam auf Schatzsuche im Mystery-Room gehen. „Wir haben in der Mystery World im Forum mehr Besucher als in unseren anderen Filialen“, sagt Inhaber Mike Kleist. „Zu uns verirrt sich auch mal Laufkundschaft und schaut sich das an.“
Allerdings war der Umbau der Läden zur Erlebniswelt nicht ganz einfach: „Das Konzept umzusetzen hat fast ein Jahr gedauert“, berichtet Tinchev. „Spätestens bis zum Oktoberfest soll alles fertig sein.“ Einige der Läden aus dem Obergeschoss sind nach unten gezogen und haben dabei, wenn möglich, Böden und Ausstattung von Vorgängern übernommen. Vor allem bei den Modegeschäften ging das relativ problemlos. „Das war sehr nachhaltig. Kompliziert wurde es eher bei einigen Gastronomiebetrieben, die zum Beispiel ein asiatisches Design wollten.“ Bei Restaurants freut sich Tinchev über viele Neuzugänge. Insgesamt rechnet er mit Umsatzsteigerungen von etwa 30 Prozent. „Wir sind zwar nach wie vor ein Shopping-Center, aber wir wollen, dass man bei uns auch was erleben kann.“
GABRIELE WINTER