Nächster Halt: Halb-Bahnhof

von Redaktion

Zehn Jahre lang: Provisorische Wand teilt die Halle

Neue Wand, neues Dach, viel Glas: So soll der Querbahnsteig des neuen Hauptbahnhofs mal aussehen.

Dichtes Gedränge am Münchner Hauptbahnhof: Die Zwischenwand zur Baustelle verkleinert den Platz für Passagiere und Pendler – und zwar für die nächsten zehn Jahre. © Marcus Schlaf, Deutsche Bahn

Die Abfahrtshalle des Hauptbahnhofs hat sich seit einigen Wochen drastisch verkleinert. Eine riesige Wand zieht sich fast über die ganze Länge des Querbahnsteigs vor den Gleisen durchs Gebäude. Für Fahrgäste ist es jetzt richtig eng. War die Abfahrtshalle früher 25 bis 30 Meter tief, sind es laut Bahn nur noch 12 bis 18 Meter. Also nur noch halb so viel Platz. Der Hauptbahnhof wird zum Halb-Bahnhof. Die Folge: Pendler und Passagiere drängen sich zwischen neuer Wand und alten Gleisen.

Laut Bahn bleibt das erst mal so – nämlich die nächsten zehn Jahre! Der Grund: Hinter der Wand wird laut Bahnsprecher eine neue U-Bahn-Station gebaut. Danach entsteht die Front des neuen Empfangsgebäudes des Hauptbahnhofs. Und das alles wird eben erst 2035 fertig.

Zehn Jahre lang also ein Halb-Bahnhof. Und was passiert in dieser Zeit? Ab Sommer wird erst einmal die Mauer des alten Empfangsgebäudes abgerissen, heißt es von einem Bahnsprecher. Die neue Wand soll die Fahrgäste dabei vor „Lärm, Staub, Brand und Witterung“ schützen.

Noch im Laufe des Jahres wird diese Wand dem Bahnsprecher zufolge dann verlängert – bis zu den Ausgängen Bayer- und Arnulfstraße. Anschließend beginnt dahinter der Bau des sogenannten Vorhaltebahnhofs für die U9 – eine Linie, die noch nicht mal final beschlossen ist und frühestens ab 2040 in Betrieb gehen würde (wir berichteten).

Für die Fahrgäste hat das Folgen: Die meisten Essensstände in der Abfahrtshalle sind schon weg – und kommen laut Sprecher nicht wieder. Auch das Reisezentrum muss weichen. 2027 wird es in ein neues Interims-Empfangsgebäude verlegt, das an der Bayerstraße entstehen soll. Dort sollen auch das Fundbüro und die Bahn-Info unterkommen.

Auch über dem Querbahnsteig tut sich einiges: Seit vergangener Woche ziehen Arbeiter eine Zwischen-Decke unter das 1949 erbaute Dach. „Bis Juni wird das fertig sein“, sagt der Bahnsprecher. Gestützt wird es vom großen Gerüst in der Abfahrtshalle. „Dieses Interimsdach bleibt bis kurz vor Inbetriebnahme der 2. Stammstrecke bestehen“, so der Sprecher – also bis voraussichtlich 2035. Derweil wird das Dach des neuen Empfangsgebäudes darüber gebaut.
THOMAS GAUTIER

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