Horst Krumbach, Gründer der Initiative. © Generationsbrücke
Früher hat Horst Krumbach (60) Kunden in einer Bank beraten. Nach zehn Jahren konnte er sich damit nicht mehr identifizieren, und es hat ihn in das Aachener Marienheim verschlagen, das er von 2004 bis 2012 leitete. 2009 gründete er die Generationsbrücke. Das Konzept ermöglicht Begegnungen und Aktivitäten zwischen Jung und Alt mit speziellen Inhalten und Strukturen.
Was unterscheidet die Generationsbrücke von anderen Kooperationen?
Wir haben das Rad nicht neu erfunden. Es gibt viele wunderbare Beispiele gut funktionierender Kooperationen zwischen Altenpflegeheimen und Kitas oder Schulen. Was bei uns anders ist: Wir haben den gesamten Ablauf psychologisch und pädagogisch sehr fundiert gestaltet, auch Wissenschaftler sowie Kinder- und Jugendpsychologen miteinbezogen. Es geht nicht darum, vielleicht in der Weihnachtszeit und vor den Sommerferien zu einem Kindergarten-Vorsing-Besuch zu kommen, sondern um den Aufbau einer längerfristigen Beziehung, ein Schuljahr lang.
In München gibt es genau eine Generationsbrücke, deutschlandweit sind es 250. Wie kommt‘s?
Es ist tatsächlich so, dass wir uns schwertun, in den richtig großen Städten Deutschlands mit der Generationsbrücke Fuß zu fassen. In ländlichen Regionen ist das oft einfacher.
Woran liegt das?
Generell entstehen da am meisten Partnerschaften, wo der Zugang zu Seniorenheimen und Kitas am leichtesten ist und die personellen Ressourcen am größten sind. Da gibt es oft Unterschiede zwischen Stadt und Land. In Kitas sind offensichtlich die größten Ressourcen dafür da. Bei Altenpflegeheimen ist es eine Frage, ob das Projekt in das Sozialdienstkonzept passt. Viele Einrichtungen, egal ob für Kinder oder Senioren, bewegen sich arbeitsmäßig am Limit. Am schwersten ist es in Schulen. Wir haben Lehrermangel. Ich vermute, dass dieses Problem in Großstädten noch größer und somit weniger Raum für Aktionen außerhalb des Lehrplans ist.
Wie profitieren die beiden Altersgruppen?
Es ist wichtig, dass die eine Gruppe nicht für die andere instrumentalisiert wird. Fast überall zählt die Generationsbrücke zu den Lieblingsaktivitäten der Heimbewohner. Sie fühlen sich gebraucht, sie haben eine sinnvolle Abwechslung und sie können, das ist eine wichtige pädagogische Geschichte, ihr Wissen teilen, wenn sie dazu noch in der Lage sind. Die Kinder machen unheimlich selbstwertsteigernde Erfahrungen. Sie sehen, wie sich die Welt für Menschen real verändern kann, dass sie Freude in das Leben ihres neuen alten Freundes bringen.
Gibt es Teilnehmer, die dem Projekt ablehnend gegenüberstehen?
Bei Kita-Kindern gibt es wenig Hemmschwellen. Meist sind diese schon vor der ersten Begegnung begeistert. Herausfordernder wird es bei weiterführenden Schulen, insbesondere, wenn es Schulen aus sozialen Brennpunkten sind. Manchmal finden Jugendliche das Projekt uncool, bis sie das erste Mal am eigenen Körper erfahren haben, wie gut der Kontakt auch ihnen tut. Bei 80 Prozent der Senioren rennt man offene Türen ein. Aber es gibt auch Menschen, die depressiv und/oder dement sind, denen man jedes Mal erzählen muss, wie schön es ist, wenn die Kinder da sind.
Fällt Ihnen ein Erlebnis ein, das Sie besonders berührt hat?
Es gibt viele Erlebnisse, aber diese Szene ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie durch die Generationsbrücke Empathie entwickelt wird. Ein Kind hatte einen Partner zum Luftballonspielen, dessen einer Arm amputiert war. Das Kind sah zum ersten Mal einen Menschen mit nur einem Arm und sagte: „Oh, wenn du nur mit einem Arm spielen kannst, dann darf ich auch nur mit einem spielen, sonst bin ich dir ja gegenüber im Vorteil.“
DORIT CASPARY