MÜNCHNER FREIHEIT

Lichtblicke in Sachen Liebe

von Redaktion

Von wegen Wonnemonat! Der Mai ist die größte Diva unter den Monaten, vier komplizierte Wochen im Münchner Jahreslauf. Frühlingsgefühle einerseits, Singlehauptstadt andererseits: Der Münchner Single weiß nicht, wohin mit seinem ganzen Serotonin. Früher lernten sich Paare bei der Arbeit kennen, ein kurzes Gespräch in der Kaffeeküche – und bämm: drei Kinder. Aber wie soll das im Homeoffice gelingen, wenn man die Kollegin nur als Kachel in einer Videokonferenz trifft? Außerdem gibt es vielerorts auch noch diese Compliance-Richtlinien, also quasi ein Flirtverbot in der Firma, der Keuschheitsgürtel der modernen Arbeitswelt.

Und doch wartet der Mai aktuell bedrohlich im Kalender. So gesehen ist es eine sehr gute Nachricht, die uns diese Woche aus Bogenhausen erreichte: Ein Supermarkt im Arabellapark hat jetzt rosa Einkaufskörbe für Singles eingeführt. Wer – sagen wir – Ahornsirup sucht und nichts dagegen hätte, nebenbei die große Liebe zu finden, der signalisiert das mit der Farbe seines Korbes. Ein kurzes Gespräch über die Anwendungsgebiete des Ahornsirups – und bämm: drei Kinder! Oder zumindest eine Telefonnummer mehr auf dem Smartphone, die man tagelang anstarren kann, weil man sich trotz der guten Ansätze nicht anzurufen traut (kluge Leser ahnen: in dieser Kolumne steckt eine jahrelange Recherche).

Kompliziert wird es im Arabellapark, wenn man sich todesmutig einem rosa Einkaufskorb nähert – und der Mensch mit dem Korb die Spielregeln nicht verstanden hat. Da fragt man eine Frau nach dem Ahornsirup in ihrem rosa Korb – und sie antwortet mit: „Ich backe American Pancakes für meinen Freund.“ Den rosa Einkaufskorb habe sie nur genommen, weil sie die Farbe möge. Der Single eilt umgehend zur Kasse und sucht danach sein Ego im untersten Geschoss der Parkgarage. Aber ich will nicht unken. Ich kenne tatsächlich ein Paar, das sich in einem Münchner Supermarkt kennengelernt hat. Es gibt also eine berechtigte Hoffnung, sein Serotonin im Arabellapark verballern zu können.

Ein weiterer Lichtblick erwartet Münchner Singles auf der Höhe der Weideninsel an der Isar. Jemand hat ein Schulheft an einem Baum befestigt und groß darauf den genialen Titel geschrieben: „Isar Tinder“. Wer will, kann sich in diesem Schulheft eintragen und eine Art Kontaktanzeige hinterlassen. Der Münchner Lieblingsfluss macht’s möglich: Man verabredet sich zu Spaziergängen, zum Schwimmen, zum Grillen – an der Isar geht das alles! – und bämm: Hat der „Herzkino“-Regisseur wieder eine Idee für einen Film.

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