Der Rücktritt von Bürgermeisterin Verena Dietl als Aufsichtsrats-Chefin der Münchner Wohnen ist respektabel und folgerichtig. Auch wenn die 44-Jährige vielleicht gar nicht so viel falsch gemacht hat und die Umstände unglücklich sind. Aber an der Spitze ist die Luft eben dünn. Und am Ende des Tages ist die oberste Chefin, die Aufsichtsratsvorsitzende, dafür verantwortlich, wenn es in der Gesellschaft schlecht läuft. Oder aber dafür, dass im Unternehmen selbst zu wenig getan wird, damit es besser wird. Das hätte sie im Blick haben müssen.
Die Münchner Wohnen kommt nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Das ist sicher mitunter politisch so gesteuert, wenn Vertreter einzelner Oppositionsparteien durch die Wohnanlagen laufen und gezielt Mieter ansprechen, sich möglichst öffentlichkeitswirksam über zu hohe Nebenkostenabrechnungen oder vermeintlich falsche Gasrechnungen zu beklagen.
Die Fluktuation an der Unternehmensspitze kann aber niemand übersehen. In Dietls Amtszeit (seit 2020) wurden Gerda Peters, Christian Amlong und Klaus-Michael Dengler vor die Tür gesetzt. Andreas Lehner, Armin Hagen und Doris Zoller gingen sukzessive freiwillig – einige zu Recht, alle aus unterschiedlichen Gründen, für die Dietl im Einzelnen vielleicht nichts kann. Aber unter dem Strich ist das alles zu viel.
Wohnen ist das zentrale Thema in dieser Stadt. Der Konzern hat voriges Jahr aber nur 800 Wohnungen gebaut, 2000 sollten es sein. Und auch wenn Dietl nicht für die Umstände (Baukosten, fehlende Fördermittel durch Land und Bund) verantwortlich ist: All diese großen und kleinen negativen Schlagzeilen werden immer auch auf sie zurückfallen – und auf die SPD. Die selbst erklärte Mieterpartei kann es sich nicht erlauben, das Thema Wohnen zehn Monate vor der Kommunalwahl so zu belassen. Dem politischen Gegner bietet das Angriffsflächen. Ein Neuanfang mit OB Dieter Reiter ist daher konsequent. Er wird zeigen müssen, dass er es besser machen kann. Sascha. Karowski@merkur.de