OB Dieter Reiter nimmt das Thema Bauen in die Hand. Er wird Aufsichtsratschef der Münchner Wohnen. © Swm, j. Hartmann
Die Münchner Wohnen (MüWo) kommt nicht zur Ruhe: Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) legt ihren Posten als Aufsichtsratsvorsitzende der städtischen Wohnungsbauer nieder. OB Dieter Reiter (SPD) soll das Amt übernehmen.
„Während meiner Zeit an der Spitze der beiden Gesellschaften sowie der fusionierten Münchner Wohnen habe ich mich der Aufgabe mit enormem Engagement gewidmet“, schrieb Dietl in einer Pressemitteilung von Freitag. Besonders am Herzen habe ihr die Fusion von GWG und Gewofag zur neuen Gesellschaft MüWo gelegen – ein Prozess, der nicht zu jedem Zeitpunkt einfach gewesen sei. Dietl: „Viele Angriffe gegen die Münchner Wohnen haben sich auch gegen mich persönlich gerichtet, waren politisch motiviert. Das wird weder den engagierten Mitarbeitern noch den zufriedenen Mieter gerecht.“
Jetzt sollten die politischen Kompetenzen in Sachen Wohnungsbau und Planung beim Oberbürgermeister gebündelt werden. Dieter Reiter leite den Planungsausschuss, den IFAK Wohnungsbau und habe auch den direkten Draht zu Bundes- und Landespolitik, was angesichts der Finanznot und der viel zu geringen Fördermittel enorm wichtig sei.
Grünen-Fraktionschef Sebastian Weisenburger sagte: „Die Entscheidung kommt für uns überraschend, und wir danken Verena Dietl für ihre Arbeit.“ SPD-Fraktionschefin Anne Hübner dankte Dietl für ihren großen politischen und persönlichen Einsatz für die Mieter der MüWo. „Angesichts der Rahmenbedingungen erkennen wir die Entscheidung jedoch mit großem Respekt an und unterstützen sie.“ Jetzt sei es richtig, dass der OB alle Kompetenzen zum Thema Wohnen und Mieten bei sich bündele und den Aufsichtsratsvorsitz übernehme.
Gleich nach der Stadtratsentscheidung werde er sich mit den Vertretern des Aufsichtsrats inklusive des Betriebsrats austauschen und sich bei der Auswahl der neuen Geschäftsführung aktiv einbringen, sagte Reiter am Freitag. „Es muss uns gemeinsam gelingen, die Münchner Wohnen wieder auf Kurs zu bringen – im Sinne der Mieter und im Sinne der Mitarbeiter des Unternehmens.“
Die MüWo hatte zuletzt für negative Schlagzeilen gesorgt, Geschäftsführerin Doris Zoller war zurückgetreten. CSU-Chef Manuel Pretzl sagte, der Rückzug Dietls komme überraschend. „Für uns ist diese Entscheidung zu respektieren. Wir erwarten nun vom OB, dass er eines der drängendsten Probleme Münchens – die Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum – endlich in den Griff bekommt.“ Dass Reiter selbst Verantwortung übernehme, sei richtig – aber auch längst überfällig, sagte FDP-Chef Jörg Hoffmann. „Er hätte sich bereits vorher aus der Deckung wagen müssen und sich nicht zuvor vor der Verantwortung drücken dürfen.“
Linken-Chef Stefan Jagel: „Die Sozialbürgermeisterin zieht jetzt Konsequenzen. Aber es darf nicht bei der politischen Ebene enden: Die Geschäftsführung trägt die Verantwortung für das Missmanagement. Auch dort erwarte ich klare personelle Veränderungen.“
SASCHA KAROWSKI