Jetzt zittern die Uhren-Räuber

von Redaktion

Vier Italiener überfielen Münchner und erbeuteten Rolex und Patek Philippe

Vier Italienern wird seit gestern der Prozess gemacht. Sie gestanden ihre Raubzüge. Bis zum 27. Mai verhandelt das Landgericht den Fall. © SIGI JANTZ

Unauffällig trieben sie sich in der Münchner Innenstadt herum und hielten Ausschau nach reichen Menschen mit teuren Uhren. In unerwarteten Momenten schlugen sie dann zu: Insgesamt vier Überfälle gehen laut Anklage der Staatsanwaltschaft München I auf das Konto von vier Italienern, denen jetzt am Landgericht der Prozess gemacht wird.

Auch Bernd M. (55, Name geändert) hatte es vorigen Sommer erwischt. Der Unternehmer war mit seiner Frau im Ferrari Cabrio am Gärtnerplatz unterwegs, als er ins Visier der vierköpfigen Bande geriet. „Wir wollten meine Tochter besuchen, in der Klenzestraße suchte ich einen Parkplatz“, sagte M. gestern als Zeuge aus. „Meine Frau war schon ausgestiegen, ich rollte langsam in eine Parkbucht hinein. Auf einmal packt jemand meinen linken Arm. Ich dachte erst, es ist ein Bekannter.“

Tatsächlich hatte einer der Räuber sich unbemerkt von links genähert. „Ich konnte so schnell kaum reagieren. Sah nur noch, wie er wegrannte, zu einem Komplizen auf die Vespa sprang. Erst danach merkte ich, dass meine Uhr weg war.“ Denn das Modell der Edelmarke Patek Philippe hatte der Dieb mit flinken Fingern aufgeklickt, als Bernd M. gerade am Einparken war.

„Man wundert sich, welche Fertigkeiten manche Kriminelle haben. Ich hatte beide Hände am Lenkrad. Scheinbar habe ich losgelassen, als er mich gepackt hat. Das war schon eine Kunst“, sagte der 55-Jährige vor Gericht. Passanten hatten ihn in seiner Notsituation unterstützt und direkt die Polizei gerufen. So konnten die Täter in der Stadt noch geschnappt werden. Und seine Uhr bekam Bernd M. sogar zurück – vor Gericht führte er als Zeuge vor, wie leicht sie sich öffnen lässt.

2017 hatte Bernd M. seine Patek Philippe gekauft. „Sie hat 24 000 Euro gekostet. Ich bin ein Uhrenliebhaber.“ Mittlerweile stieg der Preis auf 80 000 Euro. Das wissen Räuber-Banden genau. Ihre Masche zielt laut Staatsanwaltschaft auf den Überraschungsmoment ab, bei dem ein Täter die Uhr entreißt. Danach „floh dieser gemeinsam mit einem weiteren Täter aus der Gruppierung als Sozius eines auf einem in unmittelbarer Nähe wartenden Motorroller.“ Später folgt dann die Übergabe an Hintermänner.

Ihre Taten gestanden drei der angeklagten Italiener gestern, ein vierter nur auszugsweise. Demnach raubte die Bande zwischen dem 18. Juni und 18. Juli 2024 mehrere Rolex und Patek Philippe im Wert von insgesamt 400 000 Euro. Zudem konnte eine Tat aus dem Juni 2023 aufgeklärt werden. Damals wurde eine 140 000-Euro-Uhr entrissen. Der Bande droht jahrelange Haft.
ANDREAS THIEME

Artikel 1 von 11