Im Reich der Tüftler

von Redaktion

100 Jahre Deutsches Museum – Ein Besuch in den Werkstätten

Wolfgang Heinrich arbeitet an einem Schaukasten einer Krupp-Fabrik. © Marcus Schlaf

Anfassen, Knöpfe drücken, selber testen: Das Deutsche Museum ist auch als Mitmach-Museum bekannt. Dort sind Wissenschaft und Technik erlebbar – auch dank Wolfgang Heinrich (61). Der Feinmechaniker arbeitet seit 32 Jahren in der Modellbauwerkstatt des Museums. Wie seine Kollegen fertigt er Schaukästen, die die Menschen in die Geschichte der Ausstellungsstücke eintauchen lassen. Wir haben ihn im Reich der Tüftler besucht.

Gerade feilt er an einem Schaukasten, der eine historische Gussstahlfabrik von innen zeigen wird – samt Miniatur-Figuren von Arbeitern. Im Museum soll der Kasten später vor dem Exponat – einer Dampfmaschine der Firma Krupp von 1836 – stehen. Heinrich haucht der Fabrikhalle Leben ein. Dafür recherchiert er erst, wie sie früher ausgesehen hat. Dann baut er sie möglichst originalgetreu nach. „Wenn möglich, nehmen wir Originalmaterial. Denn dann kriegen auch die Maler den Farbton besser hin.“

Im Besitz des Museums sind mehr als 125 000 Objekte, darunter historische Originale wie das erste Motorflugzeug der Gebrüder Wright und das erste Automobil. Ein Besuch in einem der weltweit größten Wissenschafts- und Technikmuseen lohnt sich zum Beispiel anlässlich des Internationalen Museumstags diesen Sonntag (siehe Kasten). Etwa 7000 Exponate können Besucher auf der Insel und in den vier Zweigstellen besichtigen, dazu kommen die Demonstrationen und Dioramen (Schaukästen), die in den Werkstätten des Museums entstehen.

Mal sind das große Teile, wie die begehbare menschliche Körperzelle in der Pharmazie-Ausstellung. Oder eine Vorrichtung, bei der die Besucher mit einem Knopfdruck Strom erzeugen können. Die Experten feilen daran in akribischer, teils monatelanger Handarbeit und auch mithilfe von 3D-Druckern. Neben technischem Wissen braucht Heinrich auch jede Menge Fingerspitzengefühl und Geduld. Denn der Dioramenbau ist oft Kleinstarbeit. Auf das Dach der Krupp-Fabrik etwa müssen 9000 Miniatur-Ziegel geklebt werden. Einzeln. Per Hand. Mancher würde da die Geduld verlieren. Heinrich sagt: „Da entwickle ich Ehrgeiz und denke mir, das kriegen wir hin.“

Sein liebster Moment ist, wenn die fertigen Modellbauten in die Malerwerkstatt übergehen. „Die Farbe erweckt die Sachen dann zum Leben.“ Und dann freut er sich freilich, seine Werke im Museum zu sehen.

In den 24 Fachwerkstätten des Museums arbeiten insgesamt über 70 Experten. Viele von ihnen haben eine handwerkliche Ausbildung, andere sind Künstlerinnen oder Technikerinnen. Es gibt zum Beispiel eine Ausstellungsmalerei, eine Druckerei, eine Maurer- und Siebdruckwerkstatt, das Elektronik- und Medienlabor, die Modellbauwerkstatt und viele mehr. Und sie arbeiten zusammen: Ist eine Demonstration in der Modellbauwerkstatt konstruiert, geht sie über in die Malerwerkstatt. Daneben werden aber auch Ausstellungsstücke repariert. Damit das Deutsche Museum der Wissenstempel bleibt, den viele schätzen.
LEA SCHÜTZ

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