Ist den Leuten nichts mehr heilig?

von Redaktion

Nach Tod der Wirtin – Geld aus „Ingrids Bierstüberl“ geraubt

Traurig: Die Kneipenwirtin Manuela Herrmann in Ingrids Bierstüberl (Foto li. u.). © Yannick Thedens

Vor nicht einmal zwei Wochen musste sich Manuela Herrmann (64) von ihrer Mutter Ingrid verabschieden. Die Kultwirtin von „Ingrids Bierstüberl“ verstarb am Sonntag vor einer Woche nach kurzer, schwerer Krankheit (wir berichteten). Jetzt muss ihre Tochter den nächsten Schlag verkraften. Denn am Mittwoch wurden aus der Kasse im Stüberl die Einnahmen gestohlen.

„So was ist in den ganzen 30 Jahren der Kneipe noch nie passiert“, sagt Herrmann. Sie ist immer noch schockiert und fassungslos. Denn jeder wisse, in welch schlimmer Situation die Familie zurzeit sei. „Das ist wirklich dreist und abgebrüht“, findet sie und schüttelt den Kopf.

Sie selbst war am Mittwoch nicht vor Ort. Die Kneipenerbin erzählt, dass sich der mutmaßliche Dieb kurz nach Öffnung des Lokals an einen ihrer Spielautomaten setzte. Ihre Mitarbeiterin redete in der Zwischenzeit draußen mit einer Stammkundin, da sonst keine Gäste da waren. „Auf der Überwachungskamera ist zu sehen, wie er um kurz vor zwei Uhr ganz langsam die Stufen runterschleicht, damit es nicht knarzt“, schildert die Bestohlene. Er wusste genau, was er tat, denn er hob gezielt die Kasse hoch, um den Schalter zu suchen, mit dem sich eine Kasse öffnen lasse. „Er hat immer wieder geschaut, ob nicht jemand kommt“, erzählt Manuela Herrmann.

Schließlich wurden 160 Euro entwendet, die der Verdächtige mitgenommen haben soll. Da der Vorfall zu Anfang der Öffnungszeit geschah, war fast nur der Anfangsbestand in der Kasse. Aber selbst der Verlust tut weh. „Auf uns kommen viele Kosten zu, da können wir jeden Euro brauchen“, schildert Manuela Herrmann. Der Gipfel ist für sie, dass der mutmaßliche Dieb sein Handy auch noch bei ihnen geladen hatte. Als er fertig war, habe er es eingesteckt und sei rausgegangen. Nachdem ihre Bedienung den Diebstahl bemerkt hatte, sei sie dem Verdächtigen sogar noch nachgefahren, habe ihn aber nicht erwischt. Danach rief sie die Polizei. Die traf kurz nach dem Anruf ein und nahm die Anzeige auf. Die Ermittlungen laufen.

Es war auf jeden Fall kein Stammgast, meint die Tochter, niemand kenne die Person. „So gezielt, wie der das gemacht hat, war das nicht sein erstes Mal“, ist sich die Betroffene sicher. Ab jetzt müssen die Mitarbeiter die Kasse absperren, sobald diese nicht in Sichtweite ist. Das Vertrauen in fremde Kunden sei jetzt erst einmal weg, sagt Herrmann traurig.
MARIE-THERES WANDINGER

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