„München bekommt eine neue Konzertarena“, titelt der Boulevard. Die „Munich Arena“ soll schon im Jahr 2029 eröffnet werden und Platz für 20 000 Zuschauer bieten. Das klingt super. Dann aber folgt das Kleingedruckte: Die „Munich Arena“ soll im magischen Dreieck Attaching-Goldach-Oberding entstehen, also direkt am Flughafen Franz Josef Strauß. Man ist ja Übertreibungen gewohnt, wenn die Münchner Immobilienwelt textet. Jede Garage östlich der Isar wird als Loft in Haidhausen angepriesen. Und der Begriff „Schwabing-Nord“ ist dehnbar bis kurz vor Ingolstadt. Aber eine Konzerthalle, die 30 Kilometer außerhalb von München liegt, nach der Stadt zu benennen, das ist schon die Meisterklasse in Maulheldentum.
Schon klar, der Flughafen Franz Josef Strauß gilt als der Münchner Flughafen. Insofern verwundert der Name der geplanten Super-duper-Adele-kann-noch-mal-kommen-Arena nicht. Außerdem geht es durchaus noch dreister: Manch einer erinnert sich vielleicht an den Flughafen „München-West“, den eine Billigfluglinie ansteuerte. In nur zehn Minuten stand der Fluggast am Marienplatz. Allerdings handelte es sich dabei um den Marienplatz in Memmingen. Der Flughafen „München-West“ heißt heute „Allgäu Airport Memmingen“ und liegt ziemlich genau 100 Kilometer entfernt von München. Lustiges Detail: Zum Innsbrucker Flughafen ist es von München aus nicht weiter. Findige Köpfe überlegen sich sicherlich schon neue Namen dafür: „München-Süd“ beispielsweise klingt toll – oder, mit einem Hauch Selbstkritik, „Rom-Nord-bissl-außerhalb“.
Eigentlich ist es aber nicht angebracht, sich als Münchner über diese verbale Eingemeindung aufzuregen. Das „Grünwalder Stadion“ liegt schließlich auch nicht in Grünwald – und der Englische Garten nicht in England. Warum soll dann eine Konzerthalle tief im Erdinger Moos nicht „Munich Arena“ heißen dürfen?
Dennoch ein Gedankenspiel: Wir schreiben das Jahr 2029. Am Hauptbahnhof fragt ein Tourist nach dem Weg zur „Munich Arena“. Ein Einheimischer erklärt ihm, er müsse die S-Bahnlinie 1 nach Freising nehmen, die alle zwanzig Minuten fahre. Warum der Einheimische nach diesem Satz prustend loslacht, versteht der Tourist nicht. Wenn sich der Einheimische wieder gefangen hat, erklärt er weiter, dass an der vorvorletzten Station der Zug halbiert werde, und dass dann nur ein Teil zur Arena fahre. Der Tourist macht sich auf den Weg. Wenn er alles richtig macht und die S-Bahn mitspielt, hört er noch Adeles Zugabe.
Im Herbst dieses Jahres tritt übrigens Sting in der Olympiahalle auf, die ihrem Namen zum Trotz mitten in München steht. Ich werde hinradeln. Und genau das ist der Unterschied zwischen einer Münchner Halle und der „Munich Arena“.
redaktion@ovb.net