Kaum ein Thema: die umstrittenen Türme.
Investor Ralf Büschl warb für die Pläne.
Rund 300 Menschen informierten sich in der Paketposthalle über das Milliarden-Projekt.
Das Paketpost-Areal soll für München zum strahlenden Eingangstor aus dem Westen werden – so die Hoffnung der Befürworter. © Yannick Thedens (2), Herzog & deMeuron
Ob die Münchner in einem Bürgerentscheid über die geplanten Hochhäuser auf dem Paketpost-Areal entscheiden dürfen, wird die Gerichte beschäftigen. Die Stadtjuristen hatten die Fragestellung als unzulässig abgelehnt, die Bürgerinitiaive um Robert Brannekämper (CSU) will dagegen klagen (wir berichteten). Trotzdem haben jetzt die Bürger das Wort. Denn seit gestern liegen die Pläne aus, bis zum 23. Juni haben nun alle Bürger die Möglichkeit, Anregungen und Einwände vorzubringen.
Investor Ralf Büschl rührte bei einem Infoabend mit Vertretern aus dem Rathaus und der Politik kräftig die Werbetrommel für das Milliarden-Projekt – vor Ort in der Paketposthalle. Hier die wichtigsten Punkte des Abends.
Die Ausgangslage: „Uns ist bewusst, dass wir hier auf einer Werbeveranstaltung für das Projekt sind“, sagte Anne Hübner, Chefin der Rathaus-SPD. Auf dem Podium waren nur Befürworter vertreten: Neben Hübner waren dies Investor Ralf Büschl, Architekt Robert Hösl vom planenden Büro Herzog & deMeuron, Stadtbaurätin Elisabeth Merk, der ehemalige Wirtschaftsreferent und OB-Kandidat Clemens Baumgärtner (CSU), Event-Veranstalter Michi Kern sowie die Stadträte Anna Hanusch (Grüne) und Manuel Pretzl (CSU).
Das Quartier: Hösl präsentierte den Masterplan für das autofreie Quartier. Vorgesehen sind unter anderem rund 1100 Wohnungen, ein grüner Quartierspark, Büros, Gewerbeflächen, Hotels, eine Tiefgarage mit 2000 Stellplätzen und vor allem die riesige Paketposthalle als öffentlicher, überdachter Stadtplatz. Büschl sprach zudem von 50 Prozent gefördertem oder günstigem Wohnraum, „damit gehen wir über die Vorgaben hinaus“.
Die Halle: Die denkmalgeschützte Paketposthalle wurde von allen Teilnehmern als Riesenchance für München angesehen. Kern realisiert dort eine Zwischennutzung mit Sport, Ausstellungen und Veranstaltungen wie dem Midnight Bazar – und will damit auch Impulse für die künftige Nutzung setzen. Laut Hösl spielt München mit der Halle in einer Liga mit Weltmetropolen wie Paris, London oder New York. „Das ist die Champions League.“
Die Türme: Der große Streitpunkt des Projekts wurde an diesem Abend eher am Rande gestreift. Merk lobte, die 150-Meter-Hochhäuser gäben der Bahnlinie ein architektonisches Gesicht. Und Pretzl freute sich, dass München dadurch ein Einfahrtstor aus dem Westen bekomme.
Die Blaupause: Dass das Quartier funktionieren kann, davon ist Baumgärtner überzeugt. Das habe auch das Werksviertel gezeigt. „Auch hier hatten wir eine ikonische Fläche, die allen Unkenrufen zum Trotz ein Erlebnis geworden ist“, sagte er. Das könne auch auf dem Paketpost-Areal passieren – „nicht im gleichen Maßstab, aber vom Grundprinzip her“.
Die Zukunftsvision: Auf die Frage, was sie im Jahr 2032 nach Fertigstellung des Projekts vor ihrem inneren Auge sehe, sorgte Hübner noch für einen Eklat. Ihre Antwort, die für ein Raunen in der Halle sorgte: „Robert Brannekämper im Pflegeheim.“
ANDREAS DASCHNER