Stammgast Harald Strauß muss sich ein neues Stammlokal suchen.
Betreiber Marc Eisenbarth am Café Guglhupf. Ende Juni ist hier Schluss. © Oliver Bodmer (2)
Der Abschied tut weh: „Es ist sehr traurig, und die Entscheidung fällt uns nicht leicht“, sagt Marc Eisenbarth und wischt über einen Tisch. „Das Café war für unseren Vater und für uns wie ein Wohnzimmer.“ Schon als Kind sauste er hier um die Theke, räumte Geschirr ab, lernte, wie man Eis macht. Doch am 30. Juni ist Schluss.
Nach 48 Jahren schließen die Betreiber, das Geschwisterpaar Marc und Irmi Eisenbarth, das Café Guglhupf. Damit geht eine weitere Institution im Herzen Münchens verloren. Die Gründe sind vielschichtig: Zu hohe Mieten, explodierende Betriebskosten, steigende Einkaufspreise, steuerliche Belastung, zunehmender Fachkräftemangel und verändertes Konsumverhalten „machen es uns – wie vielen anderen inhabergeführten Einzelbetrieben – unmöglich, den Betrieb in seiner bisherigen Form weiterzuführen“, erklärt Marc Eisenbarth. „Das kann man mit Kaffee und Kuchen nicht mehr erwirtschaften.“
Angefangen hat alles 1977, als die Eltern Alfred und Gusti Eisenbarth das Café eröffneten. Die Mutter war Tiermedizinerin, die während des Studiums in Cafés jobbte. Bald träumte sie von einem eigenen. 1977 stieß Alfred in einer Annonce auf die Räume hinter dem Marienplatz. „Jeder riet unseren Eltern von der Lage im Hinterhof ab“, erzählt Marc Eisenbarth. Doch die beiden ließen nicht locker. „Die Mama wollte ein bayerisches Café.“ Sie stammte aus dem Chiemgau. Deshalb auch die Deko, die Holztafeln mit Blumenmuster im Bauernhausstil. Hinter dem Namen „Guglhupf“ steckt eine witzige Geschichte: Der Architekt ließ sich von der Form des Gebäudes inspirieren. Wegen einer Tiefgarage wölbt sich der Boden im Erdgeschoss kuppelförmig nach oben. Schon bald war der Name Programm. Nuss-, Marmor- und Eierlikör-Guglhupf etablierten sich zu Bestsellern. Dazu gehörte auch das Eis. „Meine Mutter lernte von einem italienischen Konditor, wie man Eis macht.“ Nach dem frühen Tod von Gusti musste Vater Alfred das Café alleine weiterführen.
2019 übernahmen die Geschwister die Geschäfte, der Vater starb 2022. „Aber wir haben beide unsere Jobs“, sagt Irmi Eisenbarth. Die 43-Jährige ist Professorin für Hospitality Management, der Bruder Projektmanager bei der BMW Welt. Trotzdem wollten sie das Café zunächst erhalten, investierten viel Geld in die Renovierung. Aber der Betrieb sei nicht tragfähig. Die rund 30 Angestellten versucht Marc Eisenbarth nun weiterzuvermitteln. Unter ihnen ist Sofia Angelou, sie bedient hier seit 15 Jahren. „Das Café ist wie Familie.“ Überrascht war sie von dem Ende nicht. „Früher war mehr los.“ Einer, der seit 25 Jahren ins Guglhupf kommt, ist Harald Strauß. „Die Atmosphäre ist locker.“ Jetzt muss er sich ein neues Stammlokal suchen.
Unklar ist, was mit der Immobilie passiert. „Unser Unternehmen bedauert es, dass es nun zu einer Schließung kommt“, erklärt eine Sprecherin der Monachia Grundbesitz GmbH & Co. KG. „Wir befinden uns derzeit mit Interessenten für eine Weiternutzung in Gesprächen.“ Eine Mieterhöhung sei von ihrer Seite nicht gefordert worden. „Wir haben während der Corona-Zeit den Mieter mit hohen Mietnachlässen und auch einem Umbaukostenzuschuss unterstützt.“ Zudem habe man von einer vertraglich vereinbarten Indexierung der Miete abgesehen. „Bei einer neutralen Betrachtung liegt die Miete unterhalb des Marktwerts.“
Auch wenn der Betrieb in der Innenstadt in gut vier Wochen endet, so bleibt der Wiesn-Guglhupf auf dem Oktoberfest. Für heuer habe er bereits den Zuschlag erhalten – es soll an dem Stand ein weiteres Stockwerk geben, sagt Marc Eisenbarth.
MARLENE KADACH