Olympische Sommerspiele in München im Jahr 2036 oder 2040 oder gar erst 2044? Ich bin hin- und hergerissen. Nicht, ob ich dafür oder dagegen bin – die Frage stellt sich mir nicht, ich bin nämlich ganz klar eine Befürworterin der Spiele, und am liebsten wäre mir, wenn wir sie schon in elf Jahren hier in München hätten. Dann bin ich vielleicht noch „rüstig“ genug, viele Wettbewerbe live miterleben zu können und auch noch von meiner Sitzgelegenheit aufzuspringen und Medaillen für Deutschland lauthals zu bejubeln. Aber ich habe doch große Bedenken, dass wir alle nötigen Bedingungen für eine Ausrichtung auch wirklich auf die Reihe kriegen.
Auf der einen Seite könnten wir Münchner hoffen, dass unsere Stadt bis dahin endlich „aufgeräumt“ wird. So, wie man halt auch eine Wohnung in Ordnung bringt, wenn sich wichtiger Besuch ankündigt. Alle Baumaßnahmen wären bis dahin erledigt und alle Baustellen verschwunden. Wohnraum wird geschaffen und nicht erst jahrelang diskutiert. Sportstätten werden renoviert, modernisiert und wiederbelebt. Aus München wird eine hübsche Prinzessin, welche dem „Prinzen Olympia“ zur Hochzeit angetragen wird. Mal sehen, ob wir den „Eltern“ gefallen. Aber erst einmal muss ja auch noch das ganze Bürgertum dieser „Hochzeit“ und deren Vorbereitungen zustimmen.
Auf der anderen Seite sehe ich auch einige Hürden (was ja schon wieder als olympische Disziplin gesehen werden kann), die es zu bewältigen gilt: Soweit ich es weiß, müssen öffentliche Baumaßnahmen ab einem bestimmten Auftragswert europaweit ausgeschrieben werden, um sicherzustellen, dass Unternehmen aus allen EU-Mitgliedstaaten die Möglichkeit haben, an der Vergabe teilzunehmen. Da könnte eine gute Planung natürlich verzögert werden, wenn uns vielleicht ein europäischer Mitbewerber ein Schnippchen schlagen möchte. Das wäre höchst unsportlich und hat bei diesem Wettbewerb nix zu suchen. Wobei ich gleichzeitig darum bitte, dass sich München auf keinen Fall arg verbiegen soll, weil sich seit den Spielen 1972 die Bedingungen sicherlich gewaltig geändert haben. Wir sollten uns von dem neuen IOC-Präsidenten (der erst noch gewählt werden muss) weder knebeln lassen noch um jeden Preis „anbieten“.
Bevor man jedoch heute Vormittag mit einem Plakat „NÖlympia“ vor dem Rathaus steht und gegen die Bewerbung protestiert, sollte man doch nachdenken, was unsere Stadt schon alles zu bieten hat und nicht neu aus dem Boden gestampft werden muss. Und wie sehr auch die European Championships in unserer Stadt gefeiert wurden und diese belebt haben. Da ist doch bestimmt der ein oder andere Olympia-Gegner auf einer Tribüne gesessen und hat mitgefeiert und -gefiebert. Lasst uns in diesem Sinne die Spiele wenigstens schon mal „denken“!