Petra Hahn mit ihren Mairübchen. Seit 39 Jahren leitet sie ein Standl auf dem Viktualienmarkt. © Jens Hartmann
Von Gemüse, Fisch und Käse bis zur exotischen Frucht, hier gibt es Alles, was das Herz begehrt. Der Viktualienmarkt ist seit über 200 Jahren das Aushängeschild für Frische und Vielfalt. Unsere Zeitung zeigt in einer neuen Serie, was es im Mittelpunkt Münchens zum Schlemmen gibt. Dazu verraten verschiedene Standlbesitzer einmal in der Woche ihre Lieblingsrezepte mit ihren eigenen Produkten.
„Wir sind der älteste Familienbetrieb am Markt“, sagt Petra Hahn (59). Seit 39 Jahren leitet sie den Obst- und Gemüsestand Tretter am Viktualienmarkt. Ihre Eltern und Großeltern führten den Stand bereits, sie ist also am größten Lebensmittelmarkt in München aufgewachsen. Die Marktfrau verkauft ihre Ware direkt gegenüber vom Maibaum. Ihr Geheimtipp hat auch etwas mit dem Mai zu tun. Denn sie kocht gerne mit Mairübchen.
Die sind rund, weiß und liegen bei Hahn zwischen Karotten und Lauchzwiebeln. „Die Kunden schauen oft und fragen, was das ist und was man damit machen kann“, erzählt sie. Und das, obwohl das Mairübchen ein wirklicher Alleskönner ist. „Die ist gut als Salat oder Carpaccio, in dünne Scheiben geschnitten und mit Salz, Pfeffer, Essig und Öl angemacht“, erzählt die Münchnerin. Das Gemüse erinnert im Geschmack an Kohlrabi und auch Rettich, ist allerdings milder. Auch als Suppe geht die Rübe, das funktioniere wie Kohlrabisuppe. Am liebsten mag sie Hahn aber in Sahne gekocht. „Das haben sogar meine Kinder gegessen“, verrät sie. Dazu mache sie gerne Hühnchenbrustfilet, da es geschmacklich am besten passe. Außerdem geht es schnell. Manchmal mische sie die Rübe auch mit anderen Gemüsearten. „Das ist dann wie Leipziger Allerlei, nur anstatt dem Spargel gibt’s dann Mairübchen.“ Reich an Vitaminen und Mineralien ist die weiße Knolle auch noch, denn sie enthält Vitamin B und C sowie Kalium, Eisen und Zink.
Bekannter sind Mairübchen seit etwa zehn Jahren. Das weiße Gemüse muss frisch verarbeitet werden und ist nicht lagerfähig. „Sie ist eine junge, frische Rübe, im Gegensatz zu Karotten, Steckrüben oder roten Rüben“, erklärt Hahn. Mairübchen gibt es aber nicht nur, wie es der Name vermuten lässt, im Mai, sondern das ganze Jahr über. Im Winter werden sie in Italien angebaut, weil zu dieser Jahreszeit dort die besten Bedingungen für das Gemüse herrschen. Jetzt beginne die Freilandsaison, weshalb ihre Rüben zurzeit Münchner Gärtnerware sind. Das Stück kostet bei Hahn 2,50 Euro.
Das Gemüse – es ist nicht der einzige Newcomer auf dem Markt. In den vergangenen 20 Jahren seien viel neue Produkte dazugekommen, das Sortiment habe sich fast verdoppelt. Hahn: „Das hier ist einmal ein uralter Kartoffelstand gewesen, mittlerweile habe ich Obst und Gemüse aus aller Welt.“
MARIE-THERES WANDINGER