Erste Fahrt nach der Baustelle

von Redaktion

Nach elf Wochen herrscht wieder Normalbetrieb auf der Linie U6 Süd

Zweiter Bürgermeister Dominik Krause und Ingo Wortmann (MVG) vor einer neuen Weiche.

Nach elf Wochen Baustelle: Hier rollt die U-Bahn zum ersten Mal wieder durch den Tunnel. © Marcus Schlaf, Yannick Thedens

Irgendwo zwischen Partnachplatz und Harras im U-Bahntunnel knien Münchens Zweiter Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) und Ingo Wortmann, Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Natürlich kein Zufall. Ab heute fahren die Züge der U6 wieder einen regelmäßigen Takt. Dieser war seit 10. März wegen Bauarbeiten unterbrochen. Bürgermeister Krause hatte gestern die Möglichkeit, zusammen mit den SWM und der Presse, die Maßnahmen zu begutachten.

Einiges hat sich getan: 61 Firmen waren zugange und haben insgesamt 277 Einzelmaßnahmen durchgeführt. Dabei wurden „Kosten und Zeitrahmen eingehalten“, so Krause. Weiter bedankte er sich bei der MVG für die Bündelung der Maßnahmen und bei den Fahrgästen für ihre Geduld. Ein Punkt, den Wortmann hervorhob, war der erfolgreiche Ersatzverkehr. Insgesamt waren mehr als 30 reguläre und Ersatzbuslinien im Einsatz. Dieses System wurde „sehr gut angenommen“.

Krause bedankt sich auch bei den Menschen, die durch die Sperrung eingeschränkt wurden, für ihre Geduld. Der Bürgermeister hatte aber auch Unerfreuliches zu berichten: „Wir stehen leider noch am Anfang. Der Hauptteil der Arbeiten liegt noch vor uns.“ Damit spielte er unter anderem auch auf die geplante neue Linie U9 an. Bis diese jedoch fertiggestellt ist, kann es noch Jahre dauern.

Das wurde gemacht: Die Kronjuwelen der Arbeiten sind sieben neue Weichen, deren Austausch nach 50 Jahren Betrieb mehr als überfällig war. „Wenn wir die U-Bahnen sicher halten wollen, ist das ein wichtiger Schritt.“ sagte Wortmann. Um die dafür nötige Sperrung optimal zu nutzen, wurde parallel jede Menge erledigt: Sanierungen des Tunnels, neue Brandschutzsysteme, 14 Kilometer neue Stromschienen, 2100 Meter neue Fahrschienen, zwei neue Rolltreppen am Partnachplatz und etliches mehr. Dass sich um die U6 gekümmert wird, liegt aber nicht nur am Alter, sondern auch an der Bedeutung der Linie für das U-Bahnnetz: Hier befindet sich ein wichtiger Betriebshof.

Am Donnerstag war unsere Zeitung aber auch schon im Untergrund unterwegs. Da machte Stefan Winkler von der Betriebskoordination der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) die ersten Probefahrten nach dem Ende der Baustelle. „Ich überprüfe, ob alles passt, zum Beispiel ob die Spiegel am Bahnsteig noch richtig eingestellt sind. Wenn etwas nicht stimmt, könnte der Betrieb noch nicht beginnen.“

Der Zug musste auch aus einem anderen Grund seine ersten Runden ohne Fahrgäste drehen: In der Zeit der Bauarbeiten hatte sich im Tunnel einiges an Staub abgelagert. Dieser wurde bei den Fahrten aufgewirbelt und konnte durch die Belüftungsanlagen entweichen. Wäre ja blöd, wenn die Fußballfans heute Abend im Nebel stehen müssten.

Damit eventuelle Probleme noch schnell behoben werden konnten, saßen die Entscheider der MVG auch im Zug. Sie alle waren am Donnerstagnachmittag ein bisschen angespannt, doch im Großen und Ganzen verlief alles nach Plan – Bis auf einen älteren Herren, der unbefugt den Bahnsteig betrat und für Verwirrung sorgte.

Gestern Nacht fanden noch letzte Reinigungen statt, und zum Abschluss der Arbeiten verteilte Ingo Wortmann mit seinen Mitarbeitern Eis am Harras. „Ich freue mich, dass wir so weit sind und pünktlich fertig werden.“
NICK MANDEL

GABRIELE WINTER

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