97,8 PROZENT

CSU: Clemens Baumgärtner OB-Kandidat

von Redaktion

Mit Siegesfaust: Baumgärtner ist mit fast 98 Prozent zum CSU-OB-Kandidaten gewählt worden. © Thedens

Clemens Baumgärtner hat früh erfahren müssen, was Kämpfen bedeutet. Er ist in Harlaching geboren, heute weitgehend ein Nobelviertel, 1976 davon aber noch weit entfernt. Die Mutter war Lehrerin, alleinerziehend. Der Vater wollte vom kleinen Clemens nichts wissen. Unterhalt: Fehlanzeige. Während andere nach Rimini fuhren, verbrachte Clemens Baumgärtner seine Ferien in der Stadtbibliothek oder im Deutschen Museum. Und wenn es gut lief, ging es mit dem Ferienpass mal raus ins Umland. Und Ferienjobs! „Ich habe früh verstanden, dass man Eigenleistung erbringen muss. Machen. Nicht jammern“, sagt er.

Baumgärtner, heute 48, Rechtsanwalt, ehemaliger Wirtschaftsreferent und nun offiziell OB-Kandidat der Münchner CSU. Die Delegierten wählten ihn am Dienstag mit 134 von 137 gültigen Stimmen. 97,8 Prozent. Wahrlich kein Grund zum Jammern. „Das Ergebnis ist gigantisch“, sagte Baumgärtner im obersten Stock des „M-Yard“, eines Bürokomplexes in Sendling. Bei der Kommunalwahl am 8. März wird der 48-Jährige gegen Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) und Grünen-Kandidat Dominik Krause antreten. Der Unterschied zu den beiden? Da muss Baumgärtner an diesem Abend nur aus dem Fenster schauen. Keine 300 Meter weiter habe er als Rechtsanwalt gearbeitet. Selbstständig. „Da weiß ich, wie es ist, wenn man ein Berufsleben als Unternehmer hat, wenn man sich um Dinge kümmern muss.“ Sein Ziel nach der Wahl: mehr gestalten, statt nur verwalten.

Um in diese Position zu kommen, gilt es auch, die CSU zur stärksten Kraft im Rathaus zu machen. Keine Mehrheit jenseits der Union soll es geben. Punkten will Baumgärtner mit verschiedenen Themen, unter anderem mit einer „soliden Finanzpolitik“. Die Stadt steuere schließlich auf eine Rekord-Verschuldung zu: 6,4 Milliarden Euro seien es mittlerweile. Das sei verantwortungslos. Nach der CSU-SPD-geführten Regierung (2014 bis 2020) seien immerhin noch 300 Millionen Euro auf der hohen Kante gewesen. Zur Wahrheit gehört allerdings auch: In Teilen ist die jetzige Verschuldung auch eine Folge von Beschlüssen aus ebenjener CSU-SPD-Amtszeit, etwa durch den Wohnungsbau oder wegen U-Bahn-Projekten.

Sparen muss München. Aber nicht beim Sozialen, sagt Baumgärtner. „Bei Bürokratie, bei Prestigeprojekten und der Selbstbeweihräucherung, die auch im Rathaus herrscht.“ Die U-Bahn bleibt aber auf der Agenda, als Rückgrat der Verkehrswende. Und um oben auch noch Platz für Autos oder Lkw zu haben. Und für Radwege – da, wo sie sinnvoll sind. Inhaltlich konkretisiert wird das alles noch in einem Wahlkampfprogramm.

Jetzt geht es erst mal weiter mit Baumgärtners Stadtvierteltour. Rausgehen, mit den Menschen ins Gespräch kommen. Zuhören will er, wo der Schuh drückt. Und dann für Lösungen kämpfen. Machen. Nicht jammern.
SASCHA KAROWSKI

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