Der rote Kreis markiert die Stelle des Radstreifens.
Kaum Sicherheitsabstand – Moni Thees (Foto re.) wagt die Fahrt auf dem Radstreifen.
Es geht derzeit äußerst eng zu an der Schwanthalerstraße. In beide Richtungen ist zwar ein Radweg markiert, dessen Benutzung erfordert aber eine gewisse Risikobereitschaft. © Marcus Schlaf (3)
Wer hier radelt, braucht starke Nerven. Der schmale Radstreifen führt entlang einer Baustellen-Absperrung, markiert nur durch gelbe Linien. Autos, Transporter und Lastwagen kommen einem entgegen – oft rollen sie mit ihren Karossen über die Linie des Radstreifens, kommen den Radlern gefährlich nah. Wie bei Moni Thees (58): Vorsichtig manövriert sie ihr Rad den Streifen entlang, ein BMW-Stadtgeländewagen rollt auf sie zu, fährt nur ganz knapp an ihr vorbei. Sicherheitsabstand? Fehlanzeige! „Ich fahre hier mit Angst“, sagt sie. Die Enge, die Nähe zu den Autos, es fehlt einfach ein richtiger Radweg.
Das Problem: An der Schwanthalerstraße – westlich der Ecke Paul-Heyse-Straße – ist gerade Großbaustelle: Es entsteht dort das neue Gebäude des Deutschen Gewerkschaftsbunds. Direkt daneben (weiter östlich) verlegen die Stadtwerke München (SWM) zudem Fernwärme- und Fernkälteleitungen. Diese Maßnahme dauert noch bis August 2026. Die Fahrbahn ist in dem Abschnitt der Baustellen auf eine Spur verengt. Autos teilen sich diese mit den Radlern. Ein Nadelöhr. Hinzu kommt: Rad- und Autospur führen jeweils in entgegengesetzte Richtungen – Radler sind also in dem Abschnitt der Baumaßnahmen mit Gegenverkehr konfrontiert. Das führt manchmal zu haarsträubenden Situationen, wie Moni Thees berichtet: Ihr sei schon ein Auto auf dem Radstreifen entgegengekommen: „Die Straße ist eine Katastrophe“, sagt sie. Oft parken auch Fahrzeuge auf dem schmalen Fahrstreifen, einige Radler müssen deshalb auf die Autospur ausweichen. Zu aller Verwirrung fehlten bis vor Kurzem an einigen Stellen des Radstreifens sogar die Markierungen – die hatten sich aufgelöst, waren abgegangen. Erst nach einer Anfrage unserer Zeitung ließ der Baustellenverantwortliche an der Stelle (die SWM) diese direkt erneuern. Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer habe für die Unternehmen höchste Priorität, heißt es von den SWM.
Für Radler, die in die andere Richtung unterwegs sind, ist die Lage nicht viel übersichtlicher. An einer Stelle ist der Radweg durchgestrichen und führt auf die Fahrbahn, die sich Radler dann mit Autos teilen. Manche Pedalritter machen um die gesamte Straße mittlerweile einen Bogen: „Ich vermeide es mittlerweile mit dem Rad hier lang zu fahren“, sagt Drazena Blajic (48). Nur in Ausnahmefällen wagt sie sich über den Abschnitt – mit großer Vorsicht. Normal fährt sie über die Lindwurmstraße.
Und was sagt das städtische Mobilitätsreferat, das den Radstreifen genehmigt hat? Es liege in der Natur der Sache, dass solche Bauarbeiten einen hohen Anteil an öffentlichem Verkehrsgrund beanspruchen. „Wir setzen aber alles daran, die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden zu gewährleisten“, versichert die Behörde.
JULIAN LIMMER