Wir stehen kurz vor den Pfingstferien und das bedeutet für viele Familien: Zwei Wochen frei! Für manche Menschen ist das gleichbedeutend mit: Nix wie weg aus dem angeblich schönsten Bundesland Deutschlands! In Bayern gehören die nächsten 14 Tage traditionell zu den reisestärksten Zeiten des Jahres. Manche Orte wirken wie ausgestorben. Ich schwöre, ich habe in meinem Heimatort in dieser Zeit sogar schon Steppenläufer durch die Straßen rollen sehen – Sie wissen schon: Diese Heuballen-Wutzel, die in den Westernfilmen vom Wind durch die leeren Gassen getrieben werden.
Wer jetzt auf der Flucht vor Pfingsten eine Flugreise bei Lufthansa gebucht hat, könnte nach dem Einsteigen eine herbe Enttäuschung erleben. Denn die Fluggesellschaft schafft den Bordverkauf ab. Der klassische Trolley rollt bereits jetzt nicht mehr durch alle Flugzeuggänge. Das ist irgendwie schade. Für mich gehörte die Verkaufstour in 10 000 Metern über der Erde einfach zum Flugerlebnis dazu. Ähnlich wie der Verkauf der Langnese-Eispralinen im Kino vor dem Hauptfilm.
Andererseits macht das jetzt den Weg zur fliegenden Toilette sehr viel einfacher. Man muss nicht mehr die Absatzhöhe der Stewardess multiplizieren mit der Zahl der Menschen, die gewollt gelangweilt im Duty-Free-Katalog blättern, dann durch die Länge der Zigarettenstangen dividieren und dabei geschickt Lücken im Sitzplan als Unbekannte einrechnen, um vor der Landung noch mal schnell einem dringenden Bedürfnis nachkommen zu können. Es gibt nicht viele, die diese höhere Mathematik wirklich beherrschten. Die anderen haben sich angesichts des genervten Blicks der fliegenden Händlerinnen für ihre schwache Blase schuldig gefühlt, wie die zahlreich vorgetragenen Entschuldigungen immer wieder bewiesen haben. Noch schlimmer, wenn man ein Kind dabeihat. Die lieben Kleinen müssen bekanntlich immer jetzt sofort aufs Klo.
Der Parfum- und Zigaretten-Express sei wirtschaftlich nicht mehr rentabel gewesen, so die Erklärung von Lufthansa. Denn immer weniger Menschen kaufen im Flugzeug Duftwasser, Rauchwaren und Schnaps. Außerdem blockiere die Verkaufsware wertvollen Stauraum. Was, fragt man sich, wollen die mit dem so gewonnenen Platz nun machen? Mehr Platz fürs Handgepäck anbieten? Eine Show-Bordküche anschaffen? Einen Friseur und Stylisten samt Schönheitssalon mitnehmen? Einen Zentimeter mehr Beinfreiheit in der Holzklasse einbauen?Die Flugzeugtoilette ausbauen? Tatsächlich will Lufthansa seinen Bordservice verbessern. Mit neuem Besteck und Geschirr, neuen Decken und Kopfkissen, einem neuen Entertainment-System. Eine neue Gabel braucht mehr Platz als der alte Zinken? Die Kopfkissen sind nun stärker gepolstert, oder was?
Und was bedeutet: Neues Entertainment-System? Wird im alten Zigarettenfach jetzt der Mini-Comedian für den Live-Auftritt zwischengebunkert? Oder holen die Flugbegleiter dort dann die Großbildleinwand mit den Virtual-Reality-Brillen raus? Na, dann wird das mit dem Gang zur Toilette wohl wieder zum Problem. Wir werden sehen. Jetzt erst mal guten Flug und schöne Ferien!
redaktion@ovb.net