Aufmerksam: Julia Inderst (l.) und Kathrin Seßler. © privat
Dreimal kurz, dreimal lang, dreimal kurz: Seit mehr als 120 Jahren gilt der Morse-Code SOS als internationales Notsignal. Dass der nicht nur auf hoher See Leben retten kann, sondern auch in München an einem ganz normalen Abend, hat sich am Mittwoch in Giesing gezeigt. Dort haben Julia Inderst (31) und Kathrin Seßler (28) nämlich den Hilferuf verstanden, den ihr Nachbar verzweifelt geklopft hat. Der 79-Jährige lag zu diesem Zeitpunkt schon zwei Tage lang hilflos in seinem Flur. Die Rettung durch die jungen Frauen kam für ihn keine Sekunde zu früh.
Laut Polizei war der Mann am Montag nach einem Schwächeanfall zusammengebrochen. Der 79-Jährige lag direkt vor seiner Haustür und schaffte es nicht mehr auf die Beine. In seiner Verzweiflung versuchte er irgendwann mit dem SOS-Signal aus dem Morse-Alphabet auf seine hilflose Lage aufmerksam zu machen. Die Wohnung des Senioren liegt im Erdgeschoss. Sein Klopfen kam am Mittwoch gegen 23.30 Uhr aber sogar im dritten Stock des Nachbarhauses an.
Dort wundern sich die beiden Frauen über die Geräusche, die über mehr als 20 Minuten nicht aufhören. „Wir haben das Zeichen zunächst nicht erkannt“, sagt Seßler. Dann kommt ihrer Freundin aber der Gedanke, dass es sich um das SOS-Notsignal handeln könnte. Blitzartig wird ihnen der Ernst der Lage klar. „Ich habe dann sofort die Polizei angerufen“, sagt die 31-jährige Informatikerin. Und auch die Beamtenfackeln nicht lange. Streifen werden in die Nähe des Candidplatzes geschickt, genauso wie Einsatzkräfte der Feuerwehr. Sie können orten, woher die Klopfgeräusche kommen. Über ein Fenster gelangt die Feuerwehr in die Wohnung. Der Mann wird dann sofort in ein Krankenhaus gebracht.
NADJA HOFFMANN